Erstellt am 04. Juli 2013, 14:05

Alpine-Gläubiger haben wenig zu erwarten. Die Geldgeber des insolventen Baukonzerns Alpine werden wohl großteils durch die Finger schauen und von den bereitgestellten Summen kaum etwas wiedersehen.

"Die Befriedigungsaussichten werden sicher nach unten gehen", sagte Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner im Anschluss an die erste Gläubigerversammlung am Donnerstag zur APA. Die Höhe der Schulden wird nach endgültiger Prüfung noch steigen.

Alleine wegen der Zerschlagung der Alpine Bau wurden die erwarteten Passiva des Baukonzerns gleich zu Beginn des Insolvenzverfahrens von 2,6 Mrd. auf "mindestens 2,8 Mrd. Euro" hinaufgesetzt. Die Aktiva wurden anfangs grob auf rund 660 Mio. Euro geschätzt. Alleine daraus errechnet sich eine Überschuldung von mindestens 2,14 Mrd. Euro - eine in der Geschichte der Zweiten Republik noch nie da gewesene Dimension.

Ansonsten gebe es nach der heutigen, routinemäßigen Versammlung am Handelsgericht - wie erwartet - keine besonderen neuen Informationen. "Das ist eine Dimension, die kann man nicht im Insolvenzverfahren so schnell auffangen - da zerbröselt halt sehr viel", schilderte Kantner. Deutlich informativer werde dann die Berichts- und Prüfungstagsatzung Ende August sein.

Für die regionalen Baustellen in Österreich werden derzeit unter Hochdruck neue Auftragnehmer gesucht. Für rund die Hälfte der von der Insolvenz der Alpine Bau betroffenen Mitarbeiter zeichnen sich Lösungen ab.

In Niederösterreich wurde laut Kantner "eine weitere regionale Lösung für den Hochbau St. Pölten mit der Anton Traunfellner GmbH vereinbart. In Oberösterreich wurden Lösungen für zwei große, von der Pleite betroffene, Bauprojekte gefunden.

In Wien wurde der Bau von rund 1.000 bis 1.500 Wohnungen in unterschiedlichem Errichtungsstadium vorübergehend gestoppt. Hier sei laut Sozialbau-Chef Herbert Ludl aber keine rasche Lösung in Sicht: Andere Bauunternehmen würden diese "offenen Baustellen" nicht zu den selben niedrigen Preisen übernehmen und weiterbetreiben können. Zudem seien im Falle von Mängeln Streitereien, ob diese noch von der Alpine oder schon vom Nachfolger verursacht worden seien, zu befürchten.