Erstellt am 30. August 2011, 19:01

Ametsreiter denkt nicht an Rücktritt. Telekom-Chef Hannes Ametsreiter, der an der Spitze des in eine Kursaffäre und Korruptionsvorwürfe verstrickten Unternehmens steht, hat betont dass für ihn ein Rücktritt nicht in Frage komme. An einen Rücktritt denke er überhaupt nicht, so Ametsreiter .

Der Imageschaden für das Unternehmen sei "verheerend". Mit dem Ex-Telekom-Manager Gernot Schieszler, der sich der Justiz als Kronzeuge angeboten hat, werde nun doch noch eine Kooperation überlegt, diese müsse aber im Rahmen des Aktiengesetzes erfolgen.

Dass er selber Schieszler "kriminelle Energie" vorgeworfen habe, sei "eine emotionale Geschichte", erläutert Ametsreiter. "Aber ich wollte einfach mein Interesse daran klarstellen, dieses Unternehmen sauber zu machen." Er habe Schieszler bereits im Jahr 2009 rausgeworfen, weil es bei einem Auftrag über 1,1 Mio. Euro an die MPA, das Beratungsunternehmen des Lobbyisten Alfons-Pouilly, keine Dokumentation der Leistungen gegeben habe. Und Schieszler habe 300.000 Euro "Success-fee" an die MPA gezahlt. Ob Mensdorff-Pouilly die 1,1 Mio. Euro für das Polizeifunkgesetz bekommen habe, das wisse er nicht, so Ametsreiter.

Die Telekom hatte 2009 von einem Rücktritt Schieszlers aus persönlichen Gründen gesprochen und diesem in einer Unternehmensaussendung alles Gute gewünscht.

Den Vorwurf von Schieszlers Anwalt, die Telekom habe durch einen Knebelungsvertrag den Kronzeugen quasi mundtot machen wollen, weist Ametsreiter erneut zurück. Als börsenotiertes Unternehmen könne man nicht in einem Pauschal-Schadenersatz-Vergleich gegen 300.000 Euro auf das Geld der Aktionäre verzichten. Der Anwalt habe den Vertragsentwurf wieder zurückgezogen.

Ametsreiter belastet Schieszler und Ex-Telekom-Vorstand Rudolf Fischer: Die beiden hätten 16 Aufträge an die Valora (von Peter Hochegger, Anm.) unterschrieben. Die Telekom selber tue alles um aufzuklären.

Angesprochen auf eine angebliche Intervention des Kabinettschefs von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (V), Michael Kloibmüller, reagiert Ametsreiter zurückhaltend. Auf die Frage, ob er beim Aufräumen von der ÖVP behindert werde, meint er: "Auf mich persönlich hat niemand Druck gemacht." Es scheine sich um ein "Missverständnis in der Kommunikation" zu handeln.

Die Themen der geplanten internationalen Task Force würden in der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung diskutiert, dem könne er nicht vorgreifen. Die Akquisitionen der Telekom waren bisher kein Prüfthema, so Ametsreiter. Bei den Übernahmen in Bulgarien (Mobiltel) seien die Telekom-Manager Heinz Sundt und Boris Nemsic, in Weißrussland (Velcom) Hans Tschuden und Nemsic verantwortlich gewesen. Der Investor Martin Schlaff hat bei beiden Deals gut verdient - wer Schlaff in die Telekom gebracht habe wisse er nicht, so Ametsreiter. Anhaltspunkte für eine Untersuchung der Zukäufe habe es bisher nicht gegeben. "Die Telekom durfte die bulgarische Mobiltel zuerst nicht kaufen, die Vorstandsbeschlüsse und Aufsichtsratsbeschlüsse dazu sind samt allen Daten ganz klar protokolliert. Das war damals eine Frage des Vertrauens in die Eigentümer. Wir haben dann zu einem sehr guten Preis gekauft", so der Telekom-Boss - die Mobiltel wurde von Schlaff erworben.

Der umstrittene Verkauf einer Telekom-Immobilie, wo die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen Ex-ÖBB-Chef Martin Huber und Ex-Telekom-Vorstand Fischer eingestellt hat, könnte neu aufgerollt werden, so Ametsreiter. "Wenn wir es als notwendig befinden, werden wir auch das noch einmal prüfen."

Hochegger habe kein Positionspapier um seine Darstellung als Vorstand für ihn erarbeitet, stellt Ametsreiter klar. Hochegger habe ihm ein Konzept ,das günstiger als 500.000 Euro gewesen sei, angeboten, "ich habe abgelehnt". Hochegger habe aber "ständig versucht, Positionspapiere und Konzepte zu verkaufen".