Erstellt am 24. Mai 2012, 08:56

Anleger ziehen gegen Meinl persönlich vor Gericht. Julius Meinl und Meinl-Bank-Vorstand Peter Weinzierl müssen sich nun auch persönlich mit Anlegerklagen herumschlagen.

 Bisher haben Anleger, die mit Papieren der ehemaligen Meinl European Land (MEL, jetzt Atrium) Geld verloren haben, hauptsächlich versucht, sich ihr Investment bei der Meinl Bank zurückzuholen. In den jüngsten Klagen werden Julius Meinl und Weinzierl als Verantwortliche ausgemacht.
In den bisherigen Klagen wurde dem Geldhaus vielfach irreführende Werbung vorgeworfen, auch für die umstrittenen MEL-Rückkäufe und angeblich unterlassene Pflichtmitteilungen wollten sie das Finanzinstitut haftbar machen. Nun wurden beim Bezirksgereicht Hartberg bzw. beim Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz Klagen eingebracht. Anlegeranwalt Michael Poduschka sieht Julius Meinl bzw. Weinzierl - ersterer war von 1987 bis Ende 2007 Vorstand der Meinl Bank, zweiterer ist es seit 1999 - als Mitschuldige am MEL-Kurscrash, wie er erklärte. Als Bank-Vorstände hätten sie die MEL-Rückkäufe sowie falsche Ad-hoc-Meldungen zu verantworten.

In den Klagen behauptet Poduschka, dass Julius Meinl an der MEL prächtig verdient habe. Laut Nationalbankbericht habe die Meinl Bank AG 322 Mio. Euro aus dem Produkt MEL lukriert, weitere 280 Mio. Euro habe sie im Jahr 2008 für die Ablöse der Management- und Lizenzverträge erhalten. "Wo sind diese 600 Millionen geblieben?", fragt sich der Rechtsvertreter. Ein Großteil sei an die Eigentümer geflossen und es bestehe die "begründete Vermutung, dass es sich beim Eigentümer der Meinl Bank um Julius Meinl V. bzw. um seine Familie handelt", meint Poduschka. Er baut auch auf ein OGH-Urteil, in dem festgestellt worden sei, dass Julius Meinl den Anlegern möglicherweise persönlich haftet.

Die Meinl Bank weist "die bereits ziemlich alten Vorwürfe gegen Organe des Instituts vehement zurück".