Erstellt am 12. August 2012, 16:57

Anton Schlecker soll von Pleite gewusst haben. Drei Jahre vor der Pleite seiner Drogeriemarktkette soll Firmengründer Anton Schlecker laut "Spiegel" um die drohende Zahlungsunfähigkeit gewusst und sie billigend in Kauf genommen haben.

Angesichts der 2008 und 2009 dramatisch einbrechenden Umsätze habe Schlecker erkannt, "dass die Zahlungsunfähigkeit drohte", zitierte das Magazin aus dem Durchsuchungsbeschluss der Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Sie hatte Mitte Juli Wohn- und Geschäftsräume der Familie Schlecker und zehn weiterer Verdächtiger durchsuchen lassen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Anton Schlecker und weitere Personen wegen des Verdachts auf Bankrott, Untreue und Insolvenzverschleppung. Laut Durchsuchungsbeschluss begannen Anfang 2009 "verdächtige unentgeltliche Vermögensübertragungen auf Familienangehörige": etwa die Übertragung des Familienanwesens in Ehingen im Wert von angeblich 20 Mio. Euro oder das "überhöhte Gehalt an Ehefrau Christa", wie der "Spiegel" weiter zitierte. Sie soll monatlich 60.000 Euro erhalten haben. Dies sei "angesichts der Ertragssituation nicht angemessen" gewesen.

Die Staatsanwälte kritisierten laut Bericht auch die "besondere Art der Unternehmensfinanzierung": Schlecker hatte demnach außergewöhnlich lange Zahlungsfristen, der Erlös aus bereits verkaufter, aber noch nicht bezahlter Ware diente zur Unternehmensfinanzierung. Dies sei eine Art "Schneeballsystem".

Schlecker habe sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen äußern wollen, berichtete der "Spiegel". Die Staatsanwaltschaft Stuttgart war am Sonntag nicht für Nachfragen zu erreichen.

Schlecker hatte Ende Jänner Insolvenz angemeldet, eine Rettung scheiterte. Ende Juni schlossen deutschlandweit die letzten Filialen, rund 25.000 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. In Österreich hat der Investor Rudolf Haberleitner die 900 Schlecker-Filialen - sowie rund 450 Filialen in Italien, Polen, Belgien und Luxemburg - gekauft. Der neue Eigentümer will aus den Schlecker-Geschäften Nahversorger namens "dayli" machen, nicht mehr als 10 Mio. Euro will er in den Umbau investieren.