Erstellt am 27. August 2014, 08:18

von Michaela Grabner

Apfelpreis im Keller. Bauern kämpfen mit Russland-Sanktionen und Konsumrückgang. Obstbau-Präsident setzt auf „geschmackvolle“ Lösung.

Apfelernte startet: Johann Plemenschits führt selbst einen der sechs apfelproduzierenden Betriebe in Klostermarienberg. Eine kostendeckende Produktion ist beim derzeitigen Apfelpreis von durchschnittlich 20 Cent pro Kilo aus seiner Sicht nicht möglich, obwohl der Konsument im Geschäft 2,49 Euro und mehr pro Kilo bezahlt.  |  NOEN, BVZ
Durchschnittlich 35 Cent kostet dem Landwirt ein Kilo Äpfel. Laut Johann Plemenschits, Präsident des Burgenländischen Obstbauverbandes, können die Bauern heuer aber nur mit Einnahmen von rund 20 Cent pro Kilo – je nach Sorte – rechnen. Und das, obwohl es nach drei Jahren mit unterdurchschnittlichen Ernten, bedingt durch Hagel 2011 und 2012 sowie Trockenheit 2013, heuer eine quantitativ und qualitativ hochwertige Ernte gibt.

„Was dies tatsächlich bedeutet, werden wir in einem Jahr sehen“

Ein Grund dafür, dass die Preise dennoch im Keller sind, sind die Russland-Sanktionen. Polen, das in den vergangenen Jahren rund 700.000 Tonnen Äpfel nach Russland exportiert hat, darf schon länger nicht liefern und drängt daher verstärkt auf den westeuropäischen Markt.

„Die Auswirkungen waren schon Ende der Vermarktungssaison 2013/2014 zu bemerken“, meint Plemenschits. Durch die Ausweitung der Sanktionen auf Europa und die USA sei der Markt ganz zusammengebrochen. „Was dies tatsächlich bedeutet, werden wir in einem Jahr sehen. Betriebe, die keine Rücklagen haben, werden überlegen, ob sie noch weiter produzieren können“, meint Plemenschits.

Aktionen mit schlechten Qualitäten vergrämen die Konsumenten

Aber auch die Obstbauern selbst müssen ihre Hausaufgaben machen, ist Plemenschits überzeugt. Er verweist darauf, dass der Äpfelverbrauch von 28 Kilogramm pro Kopf und Jahr auf 20 Kilogramm zurückgegangen ist. Eine Ursache sieht er darin, dass schlechte Qualitäten über Aktionen auf den Markt gebracht werden, mit denen man den Konsumenten vergrämt. „Man muss zurück zu einem geschmacklich wertvollen Produkt und den Kauf über den Geschmack motivieren.“

Notwendige Schritte dazu sind aus Plemenschits‘ Sicht einerseits eine Vorsortierung bei der Einlagerung, wodurch man für einen gewissen Teil der Ware eine entsprechende Geschmacksgarantie geben kann und gleichzeitig Lager- und Manipulationskosten spart. Andererseits würde er sich wünschen, dass die vorhandenen Erzeugerorganisationen marktaktiv tätig werden.

„Jeder Burgenländer kann sich außerdem in überschaubarem Umkreis direkt beim Produzenten eindecken“, lädt Plemenschits ein.


Statistik:

Im Burgenland gibt es ungefähr 250 Erwerbsobstbauern, die Äpfel produzieren. Die Hauptanbaugebiete befinden sich in Kukmirn, im Raum Neuhaus am Klausenbach, in Klostermarienberg, im Gebiet Wiesen-Forchtenstein-Pöttsching sowie im Seewinkel.

  • In Anlagen werden rund 550 ha Tafeläpfel, auf Streuobstwiesen mit Apfelbäumen werden rund 1.000 ha bewirtschaftet.

  • Rund 20.000 Tonnen Äpfel werden im Burgenland jährlich geerntet, das entspricht zehn Prozent der österreichischen Menge. 12 Millionen Tonnen Äpfel werden in Europa geerntet.

  • Kommende Woche beginnt Ernte mit den Sorten Gala und Elstar bis Ende Oktober.

Quelle: Burgenländische Landwirtschaftskammer/Burgenländischer Obstbauverband