Erstellt am 03. Dezember 2012, 15:11

APG - Erneuerbare erfordern raschen Ausbau der Stromnetze. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien vor allem der Windenergie erfordert einen raschen Ausbau der Stromnetze, ansonsten könnten Abschaltungen von Windrädern nötig werden, warnt die Verbund-Übertragungsnetztochter APG.

 |  NOEN, Heumesser
Die bereits von der Regulierungsbehörde E-Control genehmigten Ausbaupläne für das österreichische Höchstspannungsnetz sehen bis 2022 Investitionen von 2,5 Mrd. Euro vor. Ein Teil davon sollte auch den Projekten von gemeinsamen europäischen Interesse zugeordnet sein. Für die Finanzierung erachtet die APG ein zumindest stabiles Tarifsystem für notwendig.

Die APG wird bis 2020 rund 2 Mrd. Euro ins österreichische Stromnetz investieren, davon sind rund 600 Mio. Euro für den zweiten Teilabschnitt der Salzburg-Leitung vorgesehen. Der scheidende APG-Vorstand Heinz Kaupa hält den Termin 2019 machbar. Seit 2002 hat die APG rund 1 Mrd. Euro ins österreichische Übertragungsnetz investiert.

Für die Anbindung des Windkraftausbaus in Ostösterreich investiert die APG weitere 240 Mio. Euro, davon rund 170 Mio. Euro in die Erweiterung und den Neubau von Umspannwerken und rund 70 Mio. Euro für die Verstärkung von Leitungen.

Im Ökostromgesetz ist bis 2020 ein Windkraftausbau von rund 2.000 Megawatt (MW) auf mehr als 3.000 MW installierte Leistung vorgesehen. Nach Gesprächen mit Windkraftbetreibern seien aber ein Ausbau auf bis zu rund 4.000 MW nicht so unrealistisch, so Kaupa heute, Montag, vor Journalisten. Die Ausbaukapazitäten auf der Parndorfer Platte im Burgenland beispielsweise werden von der APG auf 950 MW (derzeit: 350 MW) geschätzt, in Niederösterreich im Brucker Becken/Groß Enzersdorf auf 650 (derzeit: 200) MW, im Weinviertel auf 750 (derzeit: 360) MW, im Waldviertel auf 350 (derzeit: 20) MW und im Süden von Wien auf 500 MW.

Die neuen Leitungen seien aber nicht nur für die österreichische Erzeugung wichtig, wenn in Deutschland der Wind stark wehe, fließe auch hierzulande einiges an Windstrom durch die Stromleitungen. Windstrom aus der Ostsee verdränge zunehmend in Österreich erzeugten Windstrom nach Süden.

Es seien durchaus Phasen möglich, in denen der Windstrom abgedreht werden müsse, falls die erforderlichen Leitungen fehlen. Es sei wichtig, dass man Leitungen, die man 2020 benötige, nicht erst 2030 fertigstelle. Die Probleme könnten bereits bei rund 1.000 MW zusätzlicher Windenergie beginnen. Es sei damit zu rechnen, dass Windräder regionsweise abgeschaltet werden müssten. Es gebe aber auch bereits jetzt für Kraftwerke Verträge mit solchen Einschränkungen.

Die Absicherung durch ein stabiles Tarifsystem sei nötig, so APG-Vorstand Thomas Karall. Kaupa verwies darauf, dass auf der Stromrechnung der Haushalte die Übertragungsnetze nur 6 Prozent ausmachten.

Bei den Projekten von gemeinsamen europäischen Interesse hofft die APG, dass aus Österreich 4 bis 5 dazugehören werden, darunter die Salzburg-Leitung, die 380-kV-Leitungsanbindung nach Deutschland von St. Peter bis zum Netzknoten im deutschen Ottenhofen sowie die Aufrüstung der bereits bestehenden 220-kV-Leitung zwischen den Netzknoten Ernsthofen und St. Peter. Für solche Projekte sind unter anderem Verfahrensabschlüsse innerhalb von drei Jahren vorgesehen und es werden auch Erleichterungen bei der Finanzierung erwartet. In Europa sollen bis 2020 rund 200 Mrd. Euro in Strom- und Gasleitungen investiert werden.

Die Blackout-Gefahr für heuer schätzt Kaupa im Fall eines kalten strengen Winters zumindest gleich hoch ein wie im Vorjahr. Die Steuerung der Stromnachfrage bei Abnehmern (Demand-Side-Management) sei in Österreich kein Thema. Im Vorjahr hat die APG 2.500 Mal stabilisierend ins Netz eingegriffen, 2009 waren es 1.800 Eingriffe.

Bei den Prognosen für die Windkrafterzeugung seien die Spielräume schon sehr eng. Es könnten sich Unsicherheiten in der Kurzfrist-Prognose ergeben. Wenn sich das Wetter etwas anders entwickle, gebe es bereits ungeplante Lastflüsse von 500 bis 800 MW.

Die Netzplanung müsse auch in Bezug auf den zunehmenden grenzüberschreitenden Austausch (Intraday-Geschäfte) aktualisiert werden, so Karall. 2011 erreichte der tägliche Umfang dieser kurzfristigen transnationalen Geschäfte über das APG-Netz bereits 1.200 GWh, 2009 waren es noch 800 GWh. Im kommenden Jahr wird zusätzlich der Intraday-Handel zwischen Österreich und Italien aufgenommen.