Erstellt am 23. August 2012, 15:09

APG und BEWAG investieren bis 2015 320 Mio. Euro. Die Verbund-Tochter Austrian Power Grid AG (APG) und die BEWAG wollen bis 2015 rund 320 Mio. Euro in den Netzausbau investieren. Das teilten die Vorstände beider Unternehmen am Donnerstag anlässlich einer Pressekonferenz in Zurndorf (Bezirk Neusiedl/See) mit.

Damit sollen die in den kommenden Jahren in Ostösterreich entstehenden Windparks in das Stromnetz integriert werden. Allein im Burgenland will man insgesamt 1.000 Megawatt (MW) Windkraftleistung ans Netz bringen.

Der Anteil der Verbund-Tochter an den Investitionen beläuft sich auf rund 240 Mio. Euro. "Allein für Erweiterungen und Neuerrichtungen von Umspannwerken zur Integration von Windenergie in Ostösterreich hat die APG ein Gesamtinvestitionsvolumen von rund 170 Mio. Euro bis 2020 vorgesehen", erläuterte APG-Vorstand Gerhard Christiner: "Hinzu kommen im selben Zeitraum weitere 70 Mio. Euro, die in die Verstärkung wichtiger APG-Leitungen investiert werden."

Eine wesentliche Rolle im Zusammenhang mit der Windkraft-Integration spiele auch die Auflage eines zweiten Systems von Wien Südost bis zur ungarischen Grenze nach Györ um rund 11,5 Mio. Euro und die Montage des dritten Teilleiters auf der 380-kV-Burgenlandleitung um 19,4 Mio. Euro. Zudem liefen bereits die Vorbereitungen zur Auflage des dritten beziehungsweise vierten Systems auf der Leitung Dürnrohr-Sarasdorf. Dadurch werde bis 2014 die leistungsfähige 380-kV-Spange um Wien bis 2014 vervollständigt.

Kernstück des APG-Netzkonzepts und eine wesentliche Grundlage zur Integration erneuerbarer Energie in Österreich sei der 380-kV-Sicherheitsring, den man demnächst mit dem Bau der Salzburgleitung im Westen schließen wolle, so APG-Vorstandssprecher Heinz Kaupa. "Dieser Sicherheitsring wird es uns ermöglichen, die erneuerbare Energie, die in windstarken Phasen im Osten Österreichs produziert, aber in der Region nicht verbraucht wird, zu den Pumpspeicherkraftwerken - den grünen Batterien in den Alpen - zu transportieren."

Die BEWAG, über ihre Tochter Austrian Wind Power Österreichs größter Windstromproduzent, hat bisher rund 300 Mio. Euro in den Ausbau der Windenergie investiert. "Jetzt nehmen wir noch einmal rund 450 Mio. in die Hand und verdoppeln so unsere Kapazitäten", so Vorstandssprecher Michael Gerbavsits. Die BEWAG Netz bringe jährlich rund 31 Mio. Euro für die Erneuerung und Instandhaltung des burgenländischen Stromnetzes auf. Zusätzlich sollen bis 2015 knapp 84 Mio. Euro in die Netzinfrastruktur fließen. Sechs bestehende Umspannwerke sollen ausgebaut und zwei neue in Andau und Zurndorf errichtet werden.

Im Burgenland will man ab 2013 100 Prozent der Strommenge, die verbraucht wird, aus erneuerbaren Energien im Land selbst erzeugen. "Der Ausbau der Windkraft ist dabei die wichtigste Maßnahme", so Gerbavsits. Bis 2015 sollen im Burgenland rund 1.000 MW an Windleistung installiert sein, was der Leistung von fünf Donaukraftwerken entspreche. "Das Umspannwerk Zurndorf wird der zentrale Einspeisepunkt für die burgenländische Windkraft werden", erläuterte BEWAG-Netz-Geschäftsführer Peter Sinowatz. Dieser soll das große Windkraftpotenzial der Region für ganz Österreich nutzbar machen.

Die zunehmende Stromproduktion aus erneuerbarer Energie hat nach Ansicht der APG-Manager Konsequenzen für Netzbetreiber in ganz Europa. Windenergie und Photovoltaik seien wesentlich stärkeren Schwankungen in der Produktion ausgesetzt als konventionelle Kraftwerke. Dies stelle die Netzbetreiber vor große Herausforderungen, die sich in naher Zukunft durch den weiteren Ausbau noch verstärken werden. In der Folge werde es häufiger zu kritischen Netzsituationen in Österreich kommen. Dies sei bereits an den rund 2.500 Eingriffen ersichtlich, die die APG im Vorjahr für den sicheren Netzbetrieb durchführen habe müssen.

Von der Entscheidung Deutschlands, bis 2022 aus der Atomenergie auszusteigen, erwarte man sich auch Auswirkungen auf Österreich. In der Folge würde es zu einem Anstieg der deutschen Windenergieproduktion kommen, so die Annahme. Alleine in Norddeutschland seien inzwischen rund 25.000 MW Windkraft installiert. In windintensiven Zeiten bei geringem Strombedarf - etwa in der Nacht und an Wochenenden - müssten große Teile dieser Mengen exportiert werden, was wiederum zu kritischen Situationen im österreichischen Übertragungsnetz führen könne, gibt man bei der APG zu bedenken.

Der Netzausbau hinke bei der rasanten Entwicklung des Ausbaus der erneuerbaren Energien stark hinterher. So seien laut Zehn-Jahres-Netzentwicklungsplan der ENTSO-E (European Network of System Operators for Electricity) in Europa über 50.000 Kilometer neuer Hochspannungsleitungen notwendig.

Entsprechend den Zielen der EU müssen bis zum Jahr 2020 mindestens 20 Prozent des europäischen Energiemix aus erneuerbaren Quellen stammen. Dies bedeute, dass in acht Jahren in ganz Europa von bis zu 200.000 MW an neu installierter Windkraft auszugehen sei. Im Jahr 2010 lag dieser Wert bei 80.000 MW.

Mit dem kürzlich novellierten Ökostromgesetz sei in Österreich die Basis für einen weiteren Ausbau erneuerbarer Energien gelegt worden, insbesondere bei Photovoltaik und Windenergie. Bis 2020 soll die installierte Windkraftleistung auf über 3.000 MW steigen, was einer Verdreifachung entspreche. Bei der Photovoltaik sei das Ziel mit einer Verzwölffachung auf mehr als 1.200 MW noch ambitionierter. Um diese Ziele erreichen zu können, seien nicht nur die entsprechenden Erzeugungsanlagen, sondern auch eine angepasste und leistungsfähige Übertragungsnetzinfrastruktur notwendig, argumentiert man bei der APG. Diese sei auch die Grundvoraussetzung für eine nachhaltige und umfassende Energiewende.