Erstellt am 01. Juni 2011, 18:45

Arbeitslosigkeit im Mai um 2,5% gesunken. Die Arbeitslosigkeit in Österreich war auch im Mai rückläufig. Insgesamt waren 287.149 Menschen ohne Arbeit, um 5,9 Prozent weniger als im Mai des Vorjahres.

Davon waren 221.369 als arbeitslos registriert (-2,5 Prozent), 65.780 (-15,9 Prozent) befanden sich in Schulung. Der von vielen befürchtete Ansturm von Arbeitskräften aus den östlichen Nachbarländern nach der Arbeitsmarktöffnung am 1. Mai ist vorerst ausgeblieben.

Die Beschäftigung ist zum ersten Mal im Mai auf über 3,4 Millionen Menschen gestiegen, womit eine "Schallmauer" durchbrochen worden sei, sagte Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S) am Mittwoch laut Aussendung. Die Arbeitslosenquote nach österreichischer Berechnung belief sich Ende Mai auf 6,1 Prozent (-0,3 Prozentpunkte), nach EU-Definition waren es zuletzt im April 4,2 Prozent. Österreich sei das EU-Land mit der geringsten Arbeitslosenquote, betonte der Minister.

Die Jugend-Arbeitslosigkeit (bis 24 Jahre) war im Mai mit 34.208 Jobsuchenden um 3,6 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Bei Menschen über 50 Jahre nahm sie hingegen um 0,9 Prozent auf 49.319 Leute zu. Stark rückläufig (-29,5 Prozent) war die Anzahl der Langzeit-Arbeitslosen: 4.841 Menschen suchten schon seit mehr als einem Jahr Arbeit.

Besonders von der Konjunkturerholung profitiert hat die Industrie, wo die Arbeitslosenzahl um 18,7 Prozent zurückgegangen ist - so stark wie in keiner anderen Branche. Gebessert hat sich die Arbeitsmarktlage auch am Bau (-12,6 Prozent Arbeitslose) und im Handel (-5,2 Prozent). Im Tourismus gab es hingegen eine Zunahme der Arbeitslosigkeit um 2,9 Prozent. Auch im Gesundheits- und Sozialwesen hat die Arbeitslosigkeit trotz einer kräftig wachsenden Beschäftigung um 5,1 Prozent zugenommen, allerdings von niedrigem Niveau ausgehend.

Bei Männern ist die Arbeitslosigkeit (im engeren Sinne, also ohne Schulungen) mit -6,1 Prozent stärker gesunken als insgesamt, bei Frauen ist sie hingegen um 1,8 Prozent gestiegen. Inklusive Schulungen waren aber um 3.557 Frauen weniger ohne Job als vor einem Jahr.

Die Erholung in der Industrie hat auch die "Industriebundesländer" Vorarlberg (-18,4 Prozent Arbeitslose), Oberösterreich (-13,3 Prozent) und Steiermark (-11,3 Prozent) nach oben gezogen. Mehr Arbeitslose gab es in Wien (+6,1 Prozent), Tirol (+2,1 Prozent) und Kärnten (+1,4 Prozent) - allerdings sei auch in Wien und Kärnten unter Einbeziehung der Schulungen die Arbeitslosigkeit gesunken, heißt es im Sozialministerium.

Für Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V) zeigen die heute veröffentlichten Arbeitslosenzahlen, dass die Unternehmen "von den guten Rahmenbedingungen am Standort Österreich" profitieren. Die Anzahl der gemeldeten offenen Stellen, die im Vergleich zum Vorjahr um 9,3 Prozent gestiegen ist, sei "ein wichtiger Indikator dafür, dass der Aufschwung weiter geht", sagte der Minister laut Aussendung.

Einen Monat nach der Ostöffnung des österreichischen Arbeitsmarktes zeige sich auch, wie übertrieben die Darstellungen eines "unkontrollierbaren Massenansturms" von Arbeitskräften nach Österreich gewesen seien, sagte Mitterlehner. Auch nach Ansicht von Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl ging die "Panikmache" völlig ins Leere. FPÖ-Arbeitnehmersprecher Herbert Kickl hingegen hält die Entwarnung für verfrüht.

Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel beklagte, dass Frauen und ältere Arbeitnehmer von der wirtschaftlichen Erholung weniger profitiert hätten. Auch BZÖ-Frauensprecherin Martina Schenk sieht die Frauen als Verlierer am Arbeitsmarkt. Der vida-Vorsitzende Rudolf Kaske regte eine Quotenregelung an, die Betriebe verpflichten soll, einen bestimmten Anteil an älteren Leuten zu beschäftigen. Grüne Arbeitnehmerinnensprecherin Birgit Schatz zeigte sich vom neuerlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit unbeeindruckt, das sei "unter den konjunkturellen Rahmenbedingungen... kein überwältigender Erfolg".