Erstellt am 25. September 2013, 14:58

Arbeitslosigkeit laut Studie doppelt so hoch. Nach einer neuer Studie des "Think-Tank" Agenda Austria scheint jeder zweite Arbeitslose in Österreich in der heimischen Statistik gemäß EU-Definition gar nicht auf.

Zählt man diese Viertelmillion verborgenen Betroffenen dazu, hätte die Arbeitslosenrate im ersten Quartal statt der offiziellen 5,1 Prozent satte 10,3 Prozent ausgemacht.

"Bereinigt" rund 470.000 Arbeitslose statt der knapp 220.000 laut EU-Kriterien

Am höchsten ist die "versteckte Arbeitslosigkeit" mit 15 Prozent in der Altersgruppe von 55 bis 64, bei Frauen ist sie hier mit 20 Prozent deutlich massiver als bei Männern (11,4 Prozent). Damit über 50-Jährige mehr Chancen auf einen neuen Job haben, sollten die Sozialabgaben gesenkt und der Kündigungsschutz gelockert werden, sagte Agenda-Austria-Leiter Franz Schellhorn am Mittwoch vor Journalisten.

Samt 250.000 Menschen, die nicht in der offiziellen Berechnung aufscheinen, gab es den Forschern zufolge in Österreich im ersten Quartal saisonbereinigt in Wahrheit rund 470.000 Arbeitslose statt der knapp 220.000, die laut EU-Kriterien vermeldet wurden.

Errechnet haben dies Michael Christl und Denes Kucsera auf Basis von OECD-Daten mit einem ökonometrischen Modell. Dabei wird darauf abgestellt, wie viele Menschen in einer Hochkonjunktur arbeiten würden - also Personen, die grundsätzlich einen Arbeitswunsch haben, auch wenn sie nicht sofort verfügbar sind. Ein großer Brocken entfällt dabei auf Menschen, die in Schulungen sitzen, sowie auf die unzähligen Frühpensionisten - in diesem Ausmaß EU-weit fast ein Unikum.

Bei Offenlegung würde Österreich drei Plätze im EU-Ranking verlieren

Legt man die versteckte Arbeitslosigkeit offen, so würde Österreich im EU-Ranking nicht mehr an der ersten Stelle liegen, sondern am viertbesten Platz, so die Experten.

Im Prinzip gibt es in allen Ländern "hidden unemployed", doch sind es etwa in Deutschland, Tschechien und Großbritannien relativ gesehen weniger, sodass uns diese drei Länder bei dieser laut Agenda Austria "ehrlicheren" Betrachtung mit 7,0 sowie 8,2 und 10,2 Prozent überholen würden. Überrascht wurden die Experten über die in Belgien und Dänemark mit 15,6 und 14,5 Prozent recht hohe Arbeitslosenrate, zählt man offizielle und versteckte Betroffene zusammen.

Gute Positionierung teuer mit Frühpensionierungen erkauft

Trotz des "Rückfalls" auf den vierten EU-Platz sei die Situation am heimischen Arbeitsmarkt auch nach Aufdeckung der verborgenen Arbeitslosigkeit nicht dramatisch. Österreich könne offenbar besonders geschickt mit der offiziellen Statistik umgehen und erkaufe sich seine gute Positionierung teuer mit Frühpensionierungen.

So hat der Frühpensions-Run Mitte vorigen Jahrzehnts rund um die Pensionsreformen die verborgene Arbeitslosigkeit stark steigen lassen, zeitweise auf bis zu 300.000 Personen, während es am krisenbedingten Tiefpunkt 2008 lediglich 100.000 "Versteckte" waren.