Erstellt am 11. April 2011, 11:47

Arbeitsmarkt-Öffnung - Kein Ansturm aus dem Osten. Wenn am 1. Mai der Arbeitsmarkt für die osteuropäischen Nachbarstaaten geöffnet wird, ist mit keinem Ansturm von Tschechen, Slowaken und Ungarn zu rechnen - so das Ergebnis einer Wifo-Studie im Auftrag des Sozialministeriums.

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Nur 0,4 Prozent der Bevölkerung der drei Länder könne sich einen Jobwechsel nach Österreich vorstellen, und das nur auf begrenzte Zeit. "Nach dem 30. April 2011 kann aus diesen drei Ländern mit einem zusätzlichen Zugang zum osterreichischen Arbeitsmarkt von jährlich etwa 11.500 bis 16.500 Personen gerechnet werden. Sie verfugen großteils über Qualifikationen auf Facharbeiterniveau", schätzt das Wirtschaftsforschungsinstitut. Mit steigenden Wohlstand in den Nachbarländern würde auch der Zuzug nachlassen.

Schon jetzt kommen rund 9.400 Personen aus diesen Ländern zum Arbeiten nach Österreich. In Summe würden dann also knapp 26.000 Menschen aus diesen drei Staaten kommen. Sie würden großteils über gute Deutschkenntnisse verfügen. Einer der prominentesten "Arbeitsmigranten" in Österreich ist T-Mobile-Chef Robert Chvatal, ein gebürtiger Tscheche.

 Von den Personen, die sich eine Arbeit in Österreich vorstellen können, wollen 40 Prozent einer Saisonarbeit nachgehen. "In Übereinstimmung mit diesen Ergebnissen zahlen vor allem saisonorientierte Sektoren wie Bauwesen, Beherbergung und Gastronomie sowie Land- und Forstwirtschaft zu den bevorzugten Branchen, aber auch das verarbeitende Gewerbe. Die wichtigsten Motive sind ein höherer Verdienst oder Lebensstandard im Ausland", so das Wifo.

Die Bereitschaft, in Deutschland zu arbeiten, ist insbesondere in den nordwestlichen Regionen Tschechiens, aber auch im übrigen Untersuchungsgebiet deutlich höher als der Wille, in Österreich zu arbeiten. Auch Großbritannien zählt weiterhin zu den beliebtesten Zielländern. "Für Österreich als Zielland spricht - neben den guten Verdienstmöglichkeiten - vor allem die geografische Nähe. Überdurchschnittlich ist die Bereitschaft, in Österreich zu arbeiten, vor allem in den Grenzregionen der drei untersuchten Länder, die in Pendeldistanz zu Österreich liegen. Insgesamt sind in Österreich daher mehr Pendler und Pendlerinnen als Migranten und Migrantinnen zu erwarten", berichtet das Wifo am Montag in einer Aussendung.

Arbeitsmarkt-Öffnung - Wifo beruhigt: Kein Ansturm aus dem Osten

Die in der Beitrittsakte von 2003 festgelegten Übergangsfristen erlaubten es den damals 15 Ländern der Europäischen Union, darunter auch Österreich, den freien Arbeitsmarktzugang für Arbeitskräfte aus den acht Ländern, die im Mai 2004 beitraten (Tschechien, Slowakei, Ungarn, Polen, Slowenien, Estland, Lettland und Litauen), für eine Dauer von insgesamt höchstens sieben Jahren einzuschränken. Großbritannien, Irland und Schweden öffneten ihren Arbeitsmarkt bereits 2004 vollständig für Arbeitskräfte aus den neuen Mitgliedslandern, nur Österreich und Deutschland nahmen die Übergangsfristen für die volle Dauer in Anspruch.