Erstellt am 22. Juli 2015, 04:26

von Bettina Eder

Top-Lehrlinge gesucht!. Anzahl der Lehrstellenbetriebe sinkt. Die Ausbilder kämpfen mit Qualität der Bewerber und schlechtem Image der Lehre.

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Die Zahl der Lehrbetriebe sinkt –   in den letzten zehn Jahren um etwa ein Viertel auf 817 (siehe Grafik). „Der Hauptgrund ist, dass viele Betriebe schlechte Erfahrungen gemacht haben. Da herrscht schon teilweise eine Frustration und Ausbildungsverdrossenheit.

Das muss man schon kritisch anmerken. Es ist manchmal schwierig, geeignete Lehrlinge zu finden. Viele haben Defizite bei den Grundrechnungsarten oder den sozialen Umgangsformen“, stellt Wirtschaftskammer-Vizedirektor Harald Schermann fest. Die Demografie – also die sinkende Anzahl an Jugendlichen – sowie das „nach wie vor schlechte Image der Lehre“ sind weitere Gründe.

Handwerkscamps – wie ein aktuell in Oberwart laufendes –  Roadshows und andere Aktionen sollen den Jugendlichen die Lehre schmackhaft machen. „Denn bei uns fängt derzeit nur ein Drittel der Jugendlichen eine Lehre an“, stellt er klar. Diese Mankos sind auch AMS-Chefin Helene Sengstbratl bekannt: „Die Betriebe finden zum Teil nicht die Jugendlichen, die sie brauchen.“

"Nicht alle hochleistungsfähig“

Der Grund liegt hier in den gesteigerten Anforderungen und auch daran, „dass es früher klar war, dass ein Teil einfach Hilfsarbeiter wird. Jetzt ist der Druck der Politik so groß, dass jeder nach der Pflichtschule eine Ausbildung macht. Wir wollen alle mitnehmen, aber es sind eben nicht alle immer hochleistungsfähig.“ Einfacher hätten es dabei die „großen Unternehmen, die auch an ihrem Image arbeiten“, so Sengstbratl.

Diese könnten aus einer Fülle von Bewerbungen auswählen. Dennoch, „es ist nicht immer einfach den Richtigen zu finden“, bestätigt auch die Personalchefin von einem der größten Ausbildungsbetriebe des Landes: Beate Pauer-Zinggl von der Energie Burgenland. Dort werden derzeit 43 Lehrlinge ausgebildet. Ihre „Neuen“ absolvieren ein Lehrlingscamp.

Unterstützung auch für Unternehmen

Die Jugendlichen können sich dabei mit dem Umgang mit dem eigenen Geld und persönlichkeitsbildenden Themen beschäftigen. Lehrlingscoaching und Potenzialanalysen bietet auch die Wirtschaftskammer an. Ebenfalls unterstützt die Kammer die Unternehmen bei der Lehrlingssuche. Für Sengstbratl gibt es noch einen Grund für die sinkende Anzahl an Lehrbetrieben: „Die Kosten sind sehr hoch für Lehrlingsausbildung und die Anwesenheitszeiten sind niedrig. Die Lehrlingsentschädigung entspricht nicht dem, was an Output fürs Unternehmen da ist.“

Chancen gibt es dennoch für Lehrstellensuchende. Im Juni wurden im Burgenland 315 Lehrlinge gesucht. Wichtig sei auch die Unterstützung der Eltern, so Sengstbratl. „Wir merken, dass die Jugendlichen, die alleine gelassen werden, sich schwer tun. Außerdem muss man flexibel sein und bereit zu pendeln. Wer aber nur im eigenen Ort sitzt und sich stur auf etwas Bestimmtes fixiert, wird es schwer haben“, präzisiert Sengstbratl. Wie man seine Chancen verbessert, verrät Pauer-Zinggl: „Authentisch sein und sich im Klaren sein, was man gerne macht, dann bekommt der Unternehmer ein klares Bild vom Kandidaten.“