Erstellt am 28. April 2011, 12:56

Arbeitsmarktöffnung: WK Burgenland erwartet kaum Ansturm. Die Wirtschaftskammern Steiermark und Burgenland erwarten durch das Inkrafttreten der Arbeitnehmerfreizügigkeit ab 1. Mai rund 3.500 Arbeitskräfte aus Ungarn und Slowenien zusätzlich, die auf den Jobmarkt der beiden Bundesländer drängen werden.

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Wenn man den Fachkräftemangel und gleichzeitig die rund 5.000 alleine beim AMS Steiermark gemeldeten offenen Stellen berücksichtige, könne man kaum von einer Überflutung sprechen, wie manche fürchteten, hieß es am Donnerstag in einem gemeinsamen Pressegespräch der beiden Kammern in Graz. "Wir fürchten uns jedenfalls nicht", so der steirische WK-Präsident Josef Herk.

Die Präsidenten Herk und Peter Nemeth (Burgenland) schätzen, dass rund 500 der erwarteten 3.500 Arbeitskräfte das Burgenland und rund 3.000 Beschäftigungssuchende die Steiermark zum Ziele haben werden. Arbeitskräfte aus anderen Ländern als Slowenien und Ungarn dürften kaum ins Gewicht fallen. Die Lohnniveaus der Länder seien jedenfalls in einem Angleichungsprozess, weshalb weder mit dauernder Arbeitsmigration noch noch mit einem großen Ansturm temporärer Arbeitskräfte zu rechnen sei, sagte Herk. "Der Mindestlohn in Slowenien beträgt 790 Euro", so Herk. Zudem seien Fachkräfte, die das angestrebt hätten, über die Kontingentsregelungen längst in Österreich.

Sein Kollege Nemeth meinte, was nun geschehe, sei nur ein weiterer Schritt im Zusammenfügen des größten Binnenmarktes der Welt, womit auch zwei der vier EU-Grundfreiheiten erfüllt wären. "Österreich hat in der Zeit seit der Ostöffnung und dem Beitritt der östlichen Staaten zur EU sehr gute Geschäfte gemacht, jetzt geht es ein wenig in die Gegenrichtung". Der burgenländische Wirtschaftskammer-Direktor Anton Bubits erklärte, dass das östliche Österreich nach wie vor profitiere: "Beim Kaufkraftfluss steht es im Burgenland ein Drittel zu zwei Drittel, da kaufen die Ungarn nach wie vor mehr im Burgenland ein".

Herk wies auf demografische Entwicklungen und Erfahrungen aus anderen EU-Ländern hin: "In Großbritannien - wo der Arbeitsmarkt wie auch in Irland und Skandinavien seit 2004 geöffnet ist - ist die Entwicklung der eigenen Fachkräfte vernachlässigt worden. In Österreich muss man bis 2030 mit einem Bevölkerungszuwachs rechnen, aber mit immer weniger Menschen im Erwerbsalter". Das werde einen Run auf gute Facharbeiter auslösen, umso wichtiger sei eine gute Ausbildung des Nachwuchses.

Das Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetz sehe zudem vor, dass etwa in der Steiermark arbeitende slowenische Firmen ihre Mitarbeiter nach hiesigem KV zahlen müssten. Einen einzigen Wermutstropfen orte man, nämlich dass die Kontrollen von Gebientskrankenkasse und Finanz nur heimische Betriebe beträfen. Komme es zu Unregelmäßigkeiten nicht in Österreich etablierter Firmen, sei eine verwaltungs- und strafrechtliche Verfolgung über die Grenzen schwierig bis nicht möglich. "In dieser Sache sind wir weiter dran, eine Regelung zu erwirken", so Nemeth und Herk - die aber auf europäischer Ebene erfolgen müsse.

Ab dem 1. Mai 2011 wird der österreichische Arbeitsmarkt für Polen, Tschechen, Slowaken, Ungarn, Slowenen, Esten, Letten und Litauer geöffnet. Für Rumänen und Bulgaren gelten die Übergangsfristen noch bis Jahresende 2013.