Erstellt am 13. Dezember 2010, 08:59

AUA-Streikbeschluss ohne Gegenstimme. In der Betriebsversammlung des AUA-Bodenpersonals am Montag wurde das Aktions- und Streikkomitee beauftragt, die Urabstimmung zu organisieren - "mit dem Ziel, den Streik vorzubereiten.

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Letztendlich ist der Streikbeschluss gefasst", sagte GPA-Vizechef Karl Proyer zur APA. Es habe keine Gegenstimme gegeben. Samt der begleitenden Kundgebungen am Flughafengelände haben sich laut Gewerkschaft heute rund tausend Mitarbeiter beteiligt.

Gestritten wird um eine Inflationsabgeltung auch für das Bodenpersonal, die der Vorstand Teilen dieser Beschäftigten nicht zugestehen will. Die betroffene Belegschaft sei "streikbereit. Natürlich", sagte Proyer. Die Stimmung sei eindeutig. "Die Beschäftigten spüren, dass da eine Ungerechtigkeit passiert". Es könne nicht sein, dass es für Einkommensbezieher um 5.000 oder 8.000 Euro (Bord-Belegschaft, Anm.) automatischen Inflationsausgleich gebe und für die Bodenbelegschaft nicht. Der Großteil der Boden-Beschäftigten verdient weniger als 2.500 Euro brutto.

Dass im Zusammenhang mit dem Sparpaket vom Frühjahr erklärt worden sei, dass jene Boden-Mitarbeiter, die nach dem alten Kollektivvertrag arbeiteten, um 0,5 Prozentpunkte weniger Gehaltserhöhung erhalten sollten als die nach neuem KV, wertet die Gewerkschaft als "Zeichen, dass man damals vorhatte, die Spielregeln einzuhalten." Den Lufthansa-Verantwortlichen warf er heute vor, die Vereinbarungen bei der Tochter AUA nicht gelesen zu haben. Der Lufthansa-Tarifvertrag sei nebenbei bemerkt nicht der schlechteste, so Proyer.

Der AUA-Vorstand will einen Brief vom April, wonach "im Fall" eines Lohnabschlusses 2011 die nach dem neuen Kollektivvertrag Beschäftigten um 0,5 Prozentpunkte mehr erhalten würden als die Mitarbeiter nach dem alten Kollektivvertrag, nicht als Zusage verstanden wissen. Vielmehr sei im Rahmen des 150-Millionen-Euro-Sparpakets vereinbart worden, dass es für die Kollegen im alten KV eine Nulllohnrunde geben werde, sagte am Montag AUA-Vorstand Peter Malanik. Nach dem alten KV werkt noch ein Drittel der Bodenbelegschaft. Malanik rechnete vor, dass sich ein Abschluss auf einen totalen Inflationsausgleich von 1,8 Prozent oder mehr samt anteiligem Biennalsprung (laut Firmen-KV) von 2,5 Prozent auf fast 4 Prozent belaufen würde. Die AUA wirft der Gewerkschaft vor, konjunktivische Abkommen umzuinterpretieren.

Die Urabstimmung beginnt am 23. Dezember. Über die Feiertage gibt es sechs Urabstimmungstage. Letzter Tag ist der 4. Jänner, am 5. Jänner erfolgt die Auszählung. Bleiben die Fronten weiter hart, soll im Jänner gestreikt werden.

Proyer: "Unser Ziel ist ja nicht, dass jetzt die vielen Menschen über die Feiertage um ihren Städteflug gebracht werden, den sie sich mühsam angespart haben. Wir wollen Druck machen auf einen vernünftigen Abschluss. Das soll die Richtigen treffen und nicht die Falschen." Insofern sei das "kein Beitrag zum Weihnachtsfrieden, sondern eine Frage unserer Verantwortung gegenüber den arbeitenden Menschen in dem Land."

Vor dem Abbruch der Verhandlungen hatte der Vorstand folgendes vorgeschlagen: Beschäftigte mit einem Bruttoeinkommen unter 2.000 Euro hätten eine Lohnerhöhung um 35 Euro bekommen, nur für sie wäre das ein Inflationsausgleich gewesen. Wer bis zu 2.500 Euro verdient, hätte 30 Euro erhalten. Für alle Beschäftigten mit einem höheren Einkommen hätte es als Einmalbetrag 300 Euro gegeben.