Erstellt am 10. September 2012, 09:29

Aufsichtsratschef kritisiert ÖVP-Vorschlag zur ÖBB-Privatisierung. ÖBB-Aufsichtsratschef Horst Pöchhacker kritisiert den Vorschlag von ÖVP-Chef und Vizekanzler Michael Spindelegger, die staatlichen Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) an den austrokanadischen Milliardär und angehenden Parteigründer Frank Stronach zu verkaufen.

"Die ÖBB als für den Standort enorm wichtiges Unternehmen mit 40.000 Mitarbeitern sind viel zu wertvoll, um mit ihnen wahlzukämpfen - noch dazu mit völlig falschen Argumenten", sagte Pöchhacker dem Wirtschafts-Blatt (Montag-Ausgabe)

"Die ÖVP hat als Koalitionspartner auch eine Verantwortung für ein staatliches Unternehmen zu tragen, statt wieder ins alte ÖBB-Bashing zurückzufallen", mahnte er. Die Bundesbahnen seien "gut unterwegs und werden heuer früher als geplant schwarze Zahlen schreiben".

Eine Privatisierung brauche überhaupt zuerst einen entsprechenden Auftrag der Regierung - den es nicht gibt - und müsse "nach den Erfahrungen in Großbritannien genau angesehen" werden, betonte der Aufsichtsratschef: "Eine Infrastrukturprivatisierung kommt nicht infrage, und bei Privatisierungen im Absatzbereich ist die Frage, auf welcher Ebene diese stattfinden." Auch einen Totalverkauf von Personenverkehr oder Rail Cargo Austria lehnt Pöchhacker ab. Dennoch sieht er Möglichkeiten Unternehmensteile zu verkaufen: "Grundsätzlich gilt, je weiter entfernt von der Mutter, desto eher kann bei einer Gesellschaft die Mehrheit abgegeben werden."