Erstellt am 02. September 2013, 10:54

August-Arbeitslosigkeit stieg um 11,7 Prozent. Die allmähliche Konjunkturerholung hat den heimischen Arbeitsmarkt noch nicht wirklich erreicht.

Die Zahl der Arbeitslosen nimmt weiter zu. 323.111 Personen waren im August ohne Job, ein Plus von 11,7 Prozent gegenüber dem August des Vorjahres. Im Vormonat Juli waren 320.337 Menschen auf der Suche nach Arbeit. Besonders schwer haben es Personen über 50 Jahre, hier ist die Zahl der Arbeitslosen im Jahresvergleich um 22 Prozent gestiegen. Bei den Jugendlichen gab es ein Plus von 8,4 Prozent, bei den 15 bis 19-jährigen sogar einen Rückgang. 60.024 Personen befanden sich in Schulung. Die Arbeitslosenquote stieg auf 6,9 Prozent

Ein Lichtblick ist die weiter steigende Beschäftigung, auch wenn mit einem Plus von 0,7 Prozent mittlerweile schon fast eine Stagnation eingetreten ist. Wie hart es ist einen Job zu finden zeigt auch ein Blick auf die gemeldeten offenen Stellen - sie gingen um 11,7 Prozent zurück. Sozialminister Rudolf Hundstorfer verweist auf positive Konjunktursignale und glaubt an eine Trendwende im Frühjahr 2014. Dass der Beschäftigungszuwachs fast ausschließlich auf Teilzeitkräfte entfalle dementiert er. Laut Zahlen der Statistik Austria seien "nur" zwei Drittel der neuen Jobs Teilzeitstellen - und von denen arbeitet die Mehrheit 25 bis 35 Stunden in der Woche.

Die regional sehr unterschiedliche Entwicklung - in Vorarlberg stieg die Zahl der Jobsuchenden um 5,7 Prozent, im benachbarten Tirol um 16,1 Prozent - führt AMS-Vorstand Herbert Buchinger auf die unterschiedliche Struktur zurück. Getroffen hätte es besonders "Industrie-Bundesländer". Ein solches sei zwar auch Vorarlberg, hier funktioniere aber noch der Exportmarkt Schweiz. Tirol wiederum habe die kürzeste Sommersaison, hier sei offenbar schon der Abschwung bemerkbar.

Baubranche am stärksten betroffen

Auf die Statistik negativ ausgewirkt hätten sich die beiden Großpleiten Alpine und dayli. Beim Baukonzern sind noch 542 Personen arbeitslos gemeldet, bei der Drogeriekette rund 1.500. Auch die Pleite von Niedermeyer sei noch nicht ganz verdaut. Auffällig ist, dass es den produzierenden Bereich besonders hart getroffen hat - am Bau gab es trotz Hochsommers sogar 20 Prozent mehr Arbeitslose. Und selbst die von Arbeitgebern gerne zitierte "Jobmaschine" Tourismus gibt es nicht mehr - hier wurden um 12,4 Prozent mehr Arbeitslose verzeichnet.

Ein Blick auf die Zeittafel zeigt, dass es seit dem August 2011 stetig steigende Arbeitslosenzahlen gibt. Vor zwei Jahren nahm die Zahl der Arbeitslosen um 849 Personen im Jahresvergleich zu. Nun sind es 30.426 Personen - der höchste Zuwachs in diesen zwei Jahren. Einmal mehr haben es schlecht qualifizierte Arbeitssuchende besonders schwer. 45 Prozent der im August gemeldeten Arbeitslosen haben nur eine Pflichtschulausbildung.

Parteien voll im Wahlkampfmodus

Die Arbeitslosenzahlen haben vier Wochen vor der Nationalratswahl erwartungsgemäß die Pressestellen der Parteien und Vorfeldorganisationen zum Glühen gebracht. Obwohl seit Jahren mit der SPÖ in der Regierung kann die ÖVP der Arbeitsmarktpolitik wenig abgewinnen. Für die FPÖ sind beide Regierungspartner nicht in der Lage, "die Arbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen". Die Grünen fordern eine Kostenentlastung der Arbeit und mehr Ausgaben für Innovation und nachhaltige Jobs. Das BZÖ vermisst die Handschrift von Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und das Team Stronach will einen Bürokratieabbau.

Arbeiterkammer und ÖGB erinnerten einmal mehr an ihr Bonus-Malus-System für ältere Arbeitnehmer - sprich wer Ältere abbaut soll mit einem Malus finanziell belastet werden. Ganz anders sieht das die Industriellenvereinigung, sie will die Unternehmen entlasten.