Erstellt am 20. April 2011, 00:00

Aus für Bahn? Dann wäre Oberwart Insel. VERKEHR / Laut Norbert Hofer (FPÖ) könnte die Bahnstrecke Oberwart-Friedberg schon per Ende Juli eingestellt werden.

VON MICHAEL PEKOVICS

BEZIRK OBERWART / Die Gerüchte rund um die Schließung der Bahnstrecke Oberwart-Friedberg verdichteten sich in der Vorwoche. FPÖ-Nationalrat, Vizeparteiobmann und Umweltsprecher Norbert Hofer hat aus „gewöhnlich gut informierten Kreisen erfahren, dass die Strecke schon per August eingestellt werden könnte“. Damit wäre Oberwart abgeschnitten vom österreichischen und auch internationalen Bahnnetz (siehe „Hintergrund“ unten). „Das wäre für das Südburgenland ein verkehrspolitischer Supergau – anstatt den Süden endlich vernünftig an ein höherrangiges Bahnnetz anzuschließen, werden die Verbindungen gekappt“, kritisiert Hofer.

Pendeln mit der Bahn von  Oberwart damit unmöglich?

Christiane Brunner von den Grünen ist der gleichen Meinung und befürchtet: „So wie auch schon in Niederösterreich planen ÖBB und Verkehrsministerium einen Anschlag auf den Schienenverkehr in den Regionen“. Sie kritisiert, dass „erst vor Kurzem Millionen Euro Landesgelder in den Wiederaufbau des Personenverkehrs auf der Linie Oberwart-Großpetersdorf investiert wurden“.

Die Anbindung in Richtung Ungarn hängt aber vom Investitionswillen der ungarischen Regierung ab. Von der Grenze bis Szombathely müssten die Gleise neu verlegt werden, Schätzungen gehen von einem Investitionsvolumen von 150 Millionen Euro aus (90 Millionen in Ungarn, 60 Millionen in Österreich). Im November 2009 (!) konnte sich der damalige Gesamtverkehrskoordinator Thomas Perlaky eine Verknüpfung „vorstellen“. Projekte dieser Art würden von der EU mit bis zu 85 Prozent gefördert. Perlakys Nachfolger ist Peter Zinggl. Gegenüber der BVZ meinte er, dass „das Schienenverkehrsgesamtkonzept für Pendler auf keinen Fall Verschlechterungen bringen darf“.

Hofer nimmt Landeshauptmann Hans Niessl in die Pflicht: „Niessl hat in der Bundes-SPÖ Gewicht, da muss es doch möglich sein, die Strecke zu retten.“ Aus dem Büro von Niessl heißt es dazu: „Die Evaluierung läuft, es ist noch gar nicht fix, ob die Strecke aufgelassen wird.“ ÖBB-Pressesprecher Christopher Seifdazu: „Die Ergebnise der Frequenzüberprüfungen im gesamten Burgenland sollen in den kommenden Wochen vorliegen. Dort wo gleichzeitig Bus und Bahn fahren, wollen wir die Parallelverbindungen einstellen“. Laut Seif liegen die Fahrgastzahlen „an Werktagen im einstelligen beziehungsweise unteren zweistelligen Bereich pro Verbindung“. Die BVZ befragte dazu zwei regelmäßige Bahnfahrer, laut deren Angaben liegt die Zahl der Fahrgäste zwischen 20 (Mittwochnachmittag Richtung Wien) und „mindestens 30, die in Pinkafeld aussteigen“ (Freitag von Wien kommend).

Ist das die Zukunft der Bahngleise im Bezirk Oberwart? Würde die Strecke Oberwart-Friedberg eingestellt, droht Oberwart zu einer „Bahninsel“ zu werden.

 waldhaeusl.com