Erstellt am 31. Juli 2012, 11:35

Aus Schlecker Österreich wird Nahversorger "daily". Die angeschlagene Drogeriemarktkette Schlecker Österreich ist überraschend an die österreichische Restrukturierungsgesellschaft TAP 09 verkauft worden.

Überraschendes "Happy End" für die rund 3.000 Schlecker-Mitarbeiter in Österreich. Der heimische Finanzinvestor TAP 09 um Rudolf Haberleitner kauft die von der Zahlungsunfähigkeit bedrohte Kette und weitere Schlecker-Filialen in Italien, Polen, Belgien und Luxemburg. Seit der Insolvenz der deutschen Konzernmutter im Jänner wurde um eine Lösung für die Österreich-Tochter gerungen. Die Drogeriemarktkette soll unter dem Namen "daily" zu einem Nahversorger umgebaut werden.

Die Restrukturierungsgesellschaft und Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz unterschrieben gestern Abend in Linz den Kaufvertrag, teilte die deutsche Schlecker-Insolvenzverwaltung am Dienstagvormittag mit. Den insgesamt 4.600 Mitarbeitern in 1.350 Filialen - überwiegend Frauen - will der Investor eine Weiterbeschäftigung anbieten. In Österreich betreibt Schlecker rund 900 Filialen.

Mit der Übernahme hat Schlecker Österreich offenbar die Insolvenzgefahr gebannt. "Eine Insolvenz wird es nicht geben. Sonst hätten wir es nicht gekauft", sagte der Wiener Anwalt Franz Guggenberger, der für die Käufer spricht. Die Anzahl und die Herkunft der Investoren hinter dem Fonds wollte der Anwalt, der selbst an der Übernahme beteiligt ist, vorerst nicht bekanntgeben.

Groß war die Erleichterung bei den Schlecker-Mitarbeiterinnen: Die Angestellten der Drogeriemärkte wurden vom Verkauf an den Finanzinvestor zu Mittag positiv überrascht. "Hurra, ihr seid gerettet", hätten die Kunden gerufen, als sie zu ihr in den Laden gestürmt seien, erzählte eine Schlecker-Filialleiterin in Wien.

Wenig ist in der Öffentlichkeit bisher bekannt über "TAP 09", der völlig überraschend die Drogeriemarktkette zur Gänze übernommen hat. "TAP 09" steht laut Homepage für "The Turnaround Platform", 2009 war der Private Equity-Fonds von Rudolf Haberleitner gegründet worden. Der heute 67-jährige firmiert als Alleingeschäftsführer und Alleingesellschafter und tritt schon seit Jahrzehnten immer wieder als Krisen- und Insolvenzberater auf. Der Kauf von Schlecker Österreich gilt als sein bisher größter Coup. Laut Firmenbuch ist das Unternehmen als "GmbH und Co KG" aufgebaut. Haberleitner ist 100-prozentiger Gesellschafter der TAP 09 Management GmbH, diese ist Kommanditistin der TAP 09 Invest GmbH & Co KG und Gesellschafterin der TAP 09 Invest GmbH.

Für Teile von Schlecker Österreich hatten sich auch der Linzer Finanzinvestor Recap um Anton Stumpf, Ex-dm-Manager Manfred Laaber und die MTH-Gruppe (u.a. Libro, Pagro) um den österreichischen Industriellen und Ex-Politiker Josef Taus interessiert.

Die Gewerkschaft zeigt sich ebenfalls erfreut über den Verkauf von Schlecker Österreich an den heimischen Investor, pocht aber auf die Einhaltung der bestehenden Arbeitsverträge. Die Gewerkschaft erhalte "zahlreiche Anfragen", was die Übernahme für die bestehenden Dienstverhältnisse bedeutet, erklärte GPA-djp-Chef Wolfgang Katzian. "Für die rund 3.000 Beschäftigten bedeutet diese Übernahme, dass ihre Arbeitsverhältnisse mit allen Rechten und Pflichten auf den neuen Eigentümer übergehen."

WU-Handelsprofessor Peter Schnedlitz sieht hingegen die Zukunft des Unternehmens in Österreich skeptisch: "Vielleicht gelingt den neuen Schlecker-Eignern die Lösung des Gordischen Knotens. Ich hoffe darauf, allein mir fehlt der Glaube." Schließlich sei Österreich mit 6.000 Geschäften bereits "overstored". An den meisten Standorten seien in der Vergangenheit schon Lebensmittelketten wie Adeg, Nah und Frisch oder Spar gewesen. Er könne sich derzeit beim "daily"-Konzept noch "keinen Unterschied zu zum Beispiel Adeg-Geschäften am Land" vorstellen. Die Standortgarantie "hat mich am meisten überrascht", erklärte der Professor.