Erstellt am 05. September 2011, 15:35

Banken und EZB laufen Sturm gegen IWF. Europas Finanzbranche und Notenbanker gehen auf Konfrontationskurs zum Internationalen Währungsfonds. Der designierte Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hält Warnungen des Fonds vor einem Kapitalloch von 200 Mrd. Euro bei den europäischen Banken für übertrieben.

Der IWF hält eine Zwangskapitalisierung europäischer Geldhäuser für sinnvoll, um Rezessionen zu vermeiden.

Auf Basis eines Szenarios, nach dem alle Banken ihre Euro-Staatsanleihen auf den Marktwert abschreiben, ermittelte der IWF einen Kapitalbedarf von 200 Mrd. Euro. Kritiker halten die Annahme für wirklichkeitsfremd. Die Zahl von 200 Mrd. Euro wurde Ende vergangener Woche öffentlich und stieß auf heftige Kritik in vielen Euro-Ländern.

Deutsche-Bundesbank-Vorstand Dombret wurde am Montag noch deutlicher: "Solche Simulationen schaden mehr als sie nützen", betonte der ehemalige Investmentbanker. Dombret zufolge gibt es bei den deutschen Banken kein Kapitalproblem.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann (Bild) übte scharfe Kritik an Forderungen der neuen IWF-Chefin Lagarde nach einer Zwangskapitalisierung der Institute. Eine solch "unglückliche Kommunikation" könne Krisen verschärfen, warnte der 2012 scheidende Spitzenbanker. "Es ist offenkundig, um nicht zu sagen eine Binsenweisheit, dass es zahlreiche europäische Banken nicht verkraften würden, müssten sie die im Bankbuch gehaltenen Staatsanleihen auf Marktwerte abschreiben", betonte der 63-jährige auf einer Frankfurter Finanzkonferenz.

Viele Experten halten die Stresstests für ungeeignet, da sie beispielsweise keine drastische Abwertung von Euro-Staatsanleihen berücksichtigt haben. Analysten gehen auf Basis realistischerer Annahmen eher von einem Kapitalbedarf von bis zu 100 Mrd. Euro aus, obwohl die europäischen Banken zuletzt bereits kräftig frische Mittel aufgenommen haben. Die Wirtschaftsweise Weder di Mauro kritisiert, dass die europäischen Aufsichtsbehörden "wenig Mut" bewiesen hätten bei der Beurteilung der Banken.