Erstellt am 17. Juli 2013, 00:00

„Bau belebt Konjunktur“. Interview / Der aus dem Burgenland stammende BIG-Geschäftsführer Hans-Peter Weiss sprach mit der BVZ über Großprojekte, Pleiten im Baugeschäft und neue Unternehmensstrategien.

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Interview: Wolfgang Millendorfer

BVZ: Seit zwei Jahren sind Sie Geschäftsführer der Bundesimmobiliengesellschaft. Wie sieht Ihre persönliche Bilanz aus?
Weiss: In diesen zwei Jahren wurde nicht nur eine Vielzahl von Großprojekten fertiggestellt, wir haben auch erfolgreich begonnen, den Konzern neu aufzustellen. Mit unseren Tochtergesellschaften wie der ARE (Austrian Real Estate Development GmbH, Anm.) sind wir klar marktwirtschaftlich orientiert. So sollen auch neue Geschäfts- und Wachstumsfelder erschlossen werden – etwa im betreuten Wohnbereich oder im Facility-Management.

Wie soll die Neuausrichtung des Konzerns fortgesetzt werden?
Die BIG ist ein Riesen-Schiff mit mehr als 800 Mitarbeitern. Mein Zugang ist, weitreichende Veränderungen in mehreren kleineren Schritten umzusetzen. Es wird konzernweit verschiedene, auf unterschiedliche Spezialgebiete konzentrierte Unternehmenseinheiten geben, die wir auf den jeweiligen Markt ausrichten. Schon für Jahresende ist etwa in der ARE ein Umsatz von rund 20 Prozent mit privaten Partnern geplant.

Vor allem der Alpine-Konkurs hat in der Branche zuletzt für Aufregung gesorgt. Wie stark ist die BIG von solchen Pleiten betroffen?
Die BIG wird aus ihren Rücklagen mehr als 80 Millionen Euro zum Konjunkturpaket des Bundes beitragen und stützt mit diesen Investitionen die österreichische Bauwirtschaft. Bei einem jährlichen Projektvolumen jenseits der 600 Millionen Euro gibt es natürlich eine Vielzahl an Partnern und da kann immer etwas passieren. Mit der Alpine haben wir zuletzt nur bei einigen wenigen Baustellen – zum Beispiel der Kaserne Güssing – zusammengearbeitet und sind nur in sehr geringem Ausmaß betroffen.

Für den Ausbau der Kaserne Güssing gibt es nach der Pleite der Alpine ja bereits eine Lösung …
Hier konnten wir mit der Firma Habau rasch einen Nachfolger finden, der alle Rechte und Pflichten eins zu eins übernimmt. Deshalb kann der Zeitplan eingehalten werden und es wird auch keine finanziellen Einbußen geben.

Im Land gibt es weitere Großprojekte. Wie gehen die voran?
2013 stellt generell ein besonderes Jahr dar, denn vom Gesamtvolumen her sind die Investitionen einzigartig. Im Burgenland betreut die BIG verschiedenste Objekte – vom kleinen Grenzwachhaus im Süden bis zum Bau des Justizzentrums in Eisenstadt. Hier liegen wir voll im Zeitplan.

Seit kurzem sind Sie auch als Nachfolger von Franz Steindl im Aufsichtsrat der Wirtschaftsservice Burgenland (WiBAG) engagiert. Welche Herausforderungen sehen Sie in diesem Bereich?

Die WiBAG ist ein sehr spannendes Unternehmen, muss sich künftig aber neu strukturieren, da sich die Förderlandschaft und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ändern. Das ist auch ein Grund, weshalb hier Personen aus der Wirtschaft für den Aufsichtsrat geholt wurden.


BIG in Zahlen 

Mit einem Anlagevermögen von neun Milliarden Euro und rund 830 Mitarbeitern gilt die BIG als größter Immobilieneigentümer Österreichs.

Im Burgenland betreut die BIG 125 Objekte. Mit der Kaserne Güssing, dem Justizzentrum und dem Finanzamt in Eisenstadt befinden sich drei Großprojekte mit einem Gesamtvolumen von 90,5 Millionen Euro in Bau.