Erstellt am 01. September 2015, 12:46

von APA/Red

Gewerkschaft verhandelt über Sozialplan und Stiftung. Die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp) will bei der vor dem Aus stehenden Heimwerkerkette bauMax einen Sozialplan sowie eine Arbeitsstiftung durchsetzen. "Wir sind mitten in Verhandlungen", sagte Gewerkschafter Peter Stattmann am Dienstag.

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Unterschriftsreif muss der Sozialplan noch im September sein, noch vor den ersten Kündigungen. "Alles andere hat wenig Sinn", so Stattmann.

Der Sozialplan samt Stiftung für Umschulungen soll österreichweit für alle vom bauMax-Stellenabbau betroffenen Mitarbeiter gelten, erklärte der Gewerkschafter. Wie viele das sein werden, könne noch nicht gesagt werden und sei davon abhängig, ob noch weitere Standorte einen Käufer finden.

"1.100 Kündigungen als Maximalzahl"

Das Sozialministerium betonte in der Aussendung zu den Arbeitslosenzahlen für August, dass bei bauMax durch die Übernahme ein Großteil der Arbeitsplätze gerettet worden sei. "Für jene Mitarbeiter, die letzten Endes tatsächlich ihren Arbeitsplatz verlieren, stehen die umfassenden Instrumente des Arbeitsmarktservices zur Verfügung, um durch frühzeitige Unterstützung den Übergang in eine neue Stelle möglichst kurz zu halten."

Vor Journalisten sprach Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) am Dienstag vom "finalen Ende" einer vor vier Jahren eingeleiteten Entwicklung. Auch er bezeichnete die 1.100 im Frühwarnsystem des AMS gemeldeten bauMax-Mitarbeiter als "Maximalzahl".

Abverkauf hat begonnen

Massiv betroffen sei jedenfalls die Zentrale, auch das Zentrallager sei ein Thema. Wie viele Kündigungen es am Ende tatsächlich sein könnten, wollte er nicht abschätzen. "Ich tue nicht Kaffeesud lesen", so Hundstorfer vor dem Ministerrat im Parlament.

Unterdessen hat bereits der Abverkauf in den gelb-roten bauMax-Filialen begonnen. Ende Oktober sollen die Märkte komplett ausgeräumt sein. Obi wolle, so heißt es in der "Presse", leere Regale. Dafür wurde laut Insidern ein externer Dienstleister an Bord geholt. Kundenbestellungen sind nicht mehr möglich, die Aufträge vom vergangenen Freitag wurden storniert. Laut "Salzburger Nachrichten" (Dienstagsausgabe) gibt es für Einkäufe mit der bauMax-Kundenkarte keine Rabatte mehr, bisherige Ansprüche würden als Gutscheine ausgezahlt.

Obi übernimmt 49 von 65 Filialen

Der deutsche Konkurrent Obi übernimmt in Österreich gemeinsam mit dem Fachmarkt-Betreiber Supernova wie berichtet 49 von 65 bauMax-Filialen. In Tschechien, der Slowakei und in Slowenien gehen rund die Hälfte der 40 verbliebenen Auslandsstandorte an die Deutschen. In Tschechien, wo Obi nur fünf von 24 Märkten übernimmt, sind die restlichen Filialen laut "Krone" an eine polnische Heimwerker-Gruppe verkauft worden.

In Österreich wurden vorsorglich 1.100 von den hierzulande mehr als 3.600 Mitarbeitern beim AMS-Frühwarnsystem angemeldet. Kündigungen dürfen im Normalfall erst 30 Tage später ausgesprochen werden. Dem Vernehmen nach hat bauMax beim AMS aber einen Antrag gestellt, um diese Frist zu verringern.

Schicksal der restlichen Standorte entscheidet sich bald

Das Schicksal der 16 österreichischen bauMax-Standorte, die vom deutschen Konkurrenten Obi nicht übernommen werden, entscheidet sich noch dieses Monat. "All jene Märkte, die nicht übernommen werden, werden einzeln an Mitbewerber verkauft. Sollte sich bis Ende September kein Käufer finden, werden diese Märkte geschlossen", erklärt bauMax seit kurzem seinen Kunden auf der Firmenwebseite.

Das Unternehmen mit Sitz in Klosterneuburg bestätigt auf baumax.com auch erstmals den Verkauf. Im Rahmen der Restrukturierung werde ein Großteil der Märkte im In- und Ausland von einem strategischen Investor übernommen. 49 der insgesamt 65 österreichischen Filialen werden demnach auch künftig - "wenn auch unter neuem Namen" weitergeführt. Obi als Käufer wird nicht genannt.

"Durch diese Übernahme bleibt für Sie als Kunde der Baumarkt in der Region bestehen", schreibt bauMax an seine Kunden. "Zudem können wir mit diesem Schritt die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter zu großen Teilen erhalten." Der hoch verschuldete bauMax-Konzern weist in dem Zusammenhang auch darauf hin, dass der Abschluss der Transaktion noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die zuständigen Wettbewerbsbehörden steht.

Bis Ende Oktober "in gewohnter Weise" geöffnet

Bis Ende Oktober 2015 blieben alle bauMax-Märkte "noch in gewohnter Weise" geöffnet. Alle offenen Bestellungen mit Ausnahme von Sonderbestellungen würden "selbstverständlich" noch ausgeliefert. Bestellungen über den Online-Shop seien ab sofort aber nicht mehr möglich.

Die Dienstleistungen Montageservice, Leihgeräte, Teilzahlung und Kundenbestellungen wurden ebenfalls eingestellt, Holzzuschnitte werden nur noch eingeschränkt angeboten. Auch die Preissägekarte werde nicht mehr akzeptiert, das Kundenbindungsprogramm sei mit 31. August beendet worden. Zur Abrechnung des Jahresbonus werden die Kundenkarten-Besitzer den Angaben zufolge gesondert kontaktiert.

Gutscheine können laut bauMax noch bis Ende Oktober in jedem Markt in Österreich eingelöst werden, danach nicht mehr. Auch Garantiefälle würden bis dahin wie gehabt abgewickelt. Ab 1. November könne die Abwicklung aber nur mehr direkt über die Zentrale erfolgen, heißt es in dem Kundenschreiben weiter. bauMax bedankt sich zum Abschluss "für die jahrelange Treue und Unterstützung".

 Mitarbeiter und Kunden beklagen Aus auf Facebook

Das Aus der Heimwerkerkette bauMax wird auch auf Facebook beklagt. Am Dienstag sickerten erste Standorte durch, die angeblich bedroht sind, darunter demnach unter anderem Eisenstadt, Judenburg, Steyr und Stadlau.

Der bauMax-Filiale in Eisenstadt etwa droht laut ORF Burgenland die Schließung. Die 62 Beschäftigten sollen bereits beim Arbeitsmarktservice (AMS) zur Kündigung angemeldet sein. Es handelt sich hierbei um den einzigen bauMax im Burgenland. Dieser wurde erst vor zwei Jahren aufwendig um- und ausgebaut. In Eisenstadt befindet sich in unmittelbarer Umgebung ein Obi-Markt.

In Spittal an der Drau in Kärnten ist die Situation ähnlich. Dort sind bauMax und Obi keinen Kilometer voneinander entfernt. Für die dort möglicherweise von einer Kündigung betroffenen bauMax-Mitarbeiter planen Gewerkschaft und Arbeiterkammer in den nächsten zwei Wochen eine Informationsveranstaltung, berichtet der ORF Kärnten. Ebenso bedroht soll der bauMax in Saalfelden im Salzburger Pinzgau sein.

Auch im sozialen Netzwerk Facebook werden bedrohte Standorte genannt. "wir in Steyr z. B. werden für immer schliessen u sind somit arbeitslos", schreibt eine offenbar betroffene Mitarbeiterin auf der Facebook-Seite von bauMax. "Das wusste ich nicht... tut mir leid für euch", antwortete ihr ein andere Facebook-Nutzer. "Danke für die 6 schönen Jahre bei baumax habe viel gelernt", postete eine weitere Userin.

Neben Judenburg, Graz Nord und Mistelbach wird auf Facebook auch der Mega bauMax Wien-Stadlau genannt. "Ein seit vielen, vielen Jahren eingeschweißtes Team, Mitarbeiter die schon fast zum Inventar gehören, so lange wie die dabei sind - von heut auf morgen alle arbeitslos. Hach wie gerne würde ich nur ein Monat lang den Herren, welcher nun abermals ein Unternehmen gegen die Wand gefahren hat, mit dem kleinen, arbeitslosen Otto-Normal-Bürger tauschen lassen......", meint einer der User.

Offizielle Angaben, welche Filialen Obi nicht übernimmt, gibt es nicht. Für die bedrohten Märkte gibt es keine Bestätigung seitens bauMax. Hinter den Kulissen werden für die 16 Standorte noch Käufer gesucht, als Interessenten gelten Hornbach, Bauhaus und die Lagerhäuser. Es heißt, es gebe noch Hoffnung für einzelne Märkte und somit auch für deren Mitarbeiter.

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