Erstellt am 25. Juni 2013, 12:06

Baustellenübernahmen von Alpine schwierig. Einige Auftraggeber von Baustellen, auf denen die inzwischen insolvente Alpine die Tätigkeiten ausführte, "werden für die Weiterführung ins Tascherl greifen müssen".

Das sagte ein Branchenkenner am Dienstag. Grund sei, dass die Alpine im Preiskampf am Bau oft der günstigste Anbieter war. Andere Baufirmen würden diese Aufträge zum Alpine-Preis nicht übernehmen können. Oft lagen die Preise der Alpine "25 Prozent unter anderen Angeboten", so der Experte. Der Spartenobmann Gewerbe und Handwerk der Wirtschaftskammer Österreich und ÖVP-Abeordneter zum Nationalrat, Konrad Steindl, sagte am Dienstag, dass bis zu 7.000 Betriebe von der Alpine-Insolvenz mehr oder weniger hart betroffen sein dürften. "Zur Stunde ist aber unbekannt, wie hoch die Ausfälle für einzelne Betriebe sind."

Das Fortführen von Baustellen der Alpine sei "leichter gesagt als getan". Es habe bisher einen "mörderischen Wettbewerb am Bau und in dessen Nebengewerben gegeben". Steindl erinnerte auch daran, dass die "Alpine Österreich nicht das große Problem gewesen ist, aber die grenzenlose Expansion" im Ausland.

Die Kreditschützer des KSV 1870 rechnen infolge der Pleite der Alpine Bau mit Folgeinsolvenzen im "mittleren einstelligen Bereich", aber mit keinem "Insolvenz-Tsunami", der über Österreichs Wirtschaft hinwegfegt. Aufgrund der Zerschlagung der Alpine Bau werden die Passiva des Baukonzerns von den anfangs geschätzten 2,6 Mrd. auf mindestens 2,8 Mrd. Euro steigen, die geschätzten Aktiva von 660 Mio. Euro weiter sinken, sagte KSV-Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner am Dienstag in Wien. Im Laufe der Woche erwartet er auch die Insolvenz der nicht operativ tätigen Alpine-Konzernholding.

Der Alpine-Zentralbetriebsrat Hermann Haneder sagte unterdessen am Dienstag im Ö1-"Morgenjournal", dass sich das Desaster abgezeichnet habe. Er habe die Probleme gesehen und nichts dagegen tun können. "Das tut einem Betriebsrat weh." Die spanische Konzernführung habe die Zahlungen letztlich "enorm überraschend" eingestellt. Die Eigentümer aus Spanien hätten zuletzt klargemacht, dass sie zu viel Geld und letztlich die Geduld mit der Alpine verloren hätten.