Erstellt am 13. Juni 2012, 12:31

BAWAG-Prozess mit Ex-Vorstand Zwettler fortgesetzt. Ex-BAWAG-Vorstand Zwettler hat am zehnten Verhandlungstag des zweiten BAWAG-Prozess als Zeuge noch einmal die Tage des Oktober 1998 Revue passieren lassen.

Damals hatten die Bank-Spitzen von den Verlusten der BAWAG-Gelder durch den angeklagten Spekulanten Wolfgang Flöttl in den sogenannten Karibik-II-Geschäften erfahren. "Es war so ein Keulenschlag", schilderte Zwettler die damalige Stimmung.

Vor dem 23. Oktober 1998 hätte Ex-BAWAG-Chef Elsner Zwettler telefonisch von dem Verlust (in Ausmaß von 639 Mio. Dollar, Anm.) informiert, sagte Zwettler aus. Es gebe Probleme, Flöttl habe das Geld weitgehend verloren, die Vorstandskollegen sollten am 23. Oktober in München erscheinen, schilderte Zwettler den Inhalt des Gesprächs. Dort wurde Zwettlers Erinnerung nach nicht über Neuinvestitionen von Flöttl gesprochen. Möglicherweise wurde aber schon darüber gesprochen, dass Flöttl sein Vermögen, das damals von Elsner auf 800 Mio. bis 1 Mrd. Dollar beziffert worden sein soll, der BAWAG übertragen werden soll.

"Für uns war es klar", dass auch der ebenfalls auf der Anklagebank sitzende Aufsichtsratspräsident der Bank, Weninger, zu informieren gewesen wäre, sagte Zwettler. Am 26. Oktober sei Weninger krank gewesen, er hätte aber seiner Erinnerung nach angekündigt, am nächsten Tag in die Bank zu kommen. Am 26. Oktober habe der Vorstand dann beschlossen, die Vermögensgegenstände Flöttls der BAWAG zu übertragen und gleichzeitig Flöttl weitere Kredite für seine Spekulationen zur Verfügung zu stellen, so Zwettler. Wäre Weninger dagegen gewesen, wäre dies aber nicht umsetzbar gewesen. Wieso Weninger erst nach dem Vorstandsbeschluss informiert wurde, wisse Zwettler nicht.

An Details konnte sich Zwettler in seiner Befragung kaum erinnern. Zwettler ist der einzige der ursprünglich neun Angeklagten, der sich in der teilweisen Neuauflage des Verfahrens nicht mehr verantworten muss. Er war im ersten Prozess zu fünf Jahren verurteilt worden, wurde aber wegen Krankheit für haftunfähig erklärt.