Erstellt am 20. Juni 2012, 07:11

„Bei weitem am besten“. INTERVIEW / AMS-Chefin Helene Sengstbratl spricht mit der BVZ über ihre Pläne, über Anfeindungen und über zukünftige Pressekonferenzen mit Landesrat Peter Rezar.

VON DORIS SEEBACHER

BVZ: Schon bei Ihrer ersten Bestellung 2002 war Ihre Person umstritten. Warum?
Helene Sengstbratl: Das AMS ist traditionell sozialdemokratisch besetzt. Es ist sehr unkonventionell, dass eine Mitarbeiterin der Industriellenvereinigung diesen Job übernimmt.

BVZ: Womit haben Sie sich beim Hearing gegenüber den anderen Kandidaten durchgesetzt?
Sengstbratl: Mir wurde mitgeteilt, dass ich mich bei weitem am besten geschlagen habe und dass ich auf die sehr kritischen Fragen der burgenländischen Arbeitnehmerkurie gut reagiert habe. Eine Frage war hier etwa: „Der Landeshauptmann hat gesagt, Sie sollen sich in Ungarn bewerben. Warum ziehen Sie Ihre Bewerbung nicht zurück?“

BVZ: Ihre Antwort darauf?
Sengstbratl: Dass ich, wenn ich bestellt werde, auf alle Partner aktiv zugehen werde und dass es für eine Kooperation auch ein Gegenüber braucht und dass ich an die Partner appelliere zu kooperieren.

BVZ: Welche Aussagen haben Sie in den letzten Monaten am meisten gekränkt?
Sengstbratl: Ein Tiefpunkt war die Aussage, dass das AMS auf allen Ebenen versagt hat. Wir haben jahrelang kooperiert und gut zusammengearbeitet und ich finde, das ist eine Zumutung für meine Mitarbeiter, die sich sehr engagieren.

BVZ: Wenn Sie gewusst hätten, welche Auswirkungen die „Einladung an die Ungarn“ haben würde, die Sie anlässlich der Arbeitsmarktöffnung im Mai 2011 gemacht haben, hätten Sie sie dann unterlassen?
Sengstbratl: Ja. Aber es hat an der Realität nichts geändert. Diese Aussage war diplomatisch gemeint und sollte nicht politische Parteien provozieren.

BVZ: Erfolgten diese Vorwürfe eigentlich jemals persönlich?
Sengstbratl: Die Botschaften wurden primär über die Medien transportiert.

BVZ: Haben Sie daran gedacht, das Handtuch zu werfen? Was wäre Ihr Plan B gewesen?
Sengstbratl: Das Handtuch zu werfen – nein. Aber einen Plan B habe ich mir schon überlegt, denn es war zu keinem Zeitpunkt zu 100 Prozent sicher, dass ich bestellt werde. Ich wäre dann vorerst einmal in Bildungskarenz gegangen. Außerdem habe ich mir im Internet andere Managementpositionen angeschaut.

BVZ: Wann wird es wieder eine gemeinsame Pressekonferenz mit Landesrat Peter Rezar geben?
Sengstbratl: Ein bisschen Zeit wird schon verstreichen ….. Ich kann es mir in meiner Funktion nicht leisten, nachtragend zu sein.

BVZ: Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?
Sengstbratl: Wir haben zwei große Schwerpunkte: Das Ansteigen der Arbeitslosigkeit bei Älteren und der Fokus auf arbeitsmarktferne Personen. Und auch das Thema Jugendliche wird im Mittelpunkt stehen.

BVZ: Rechnen Sie mit einer Entschuldigung vonseiten der SPÖ?
Sengstbratl: Ich wäre sehr überrascht.