Erstellt am 13. Juni 2012, 13:37

Berlakovich rührt Werbetrommel für Treibstoff E10. Der in Deutschland gefloppte Agrotreibstoff E10 soll im Herbst in Österreich eingeführt werden, so zumindest der Plan von Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich.

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Er muss dafür aber noch einiges an politischer Überzeugungsarbeit leisten, denn der Widerstand gegen das Benzin, dem 10 Prozent Bioethanol beigemischt sind, ist groß. Zum Beispiel warnen Autofahrerclubs, Umweltschützer und die Arbeiterkammer vor E10. Am Mittwoch rührte Berlakovich bei einer Veranstaltung des Biomasseverbands erneut die Werbetrommel für den Treibstoff. Experten aus dem In- und Ausland versuchten die Bedenken zu zerstreuen.

Das EU-Ziel, bis 2020 einen Anteil von 10 Prozent erneuerbarer Energien im Verkehrssektor einzusetzen, könne nur mit Biokraftstoffen erreicht werden, so der Landwirtschaftsminister laut einer Aussendung. Biomasseverbandsvorsitzender Horst Jauschnegg verwies bei einer Pressekonferenz darauf, dass die Raiffeisen-Tochter Agrana mit ihrer Bioethanolproduktion im niederösterreichischen Pischelsdorf bereits heute den gesamten Ethanolbedarf für E10 in Österreich decken könnte. Momentan müsse die Agrana die Hälfte ihrer Produktion exportieren.

Dem Einwand, dass Agrosprit der Umwelt unterm Strich mehr schade als nutze, hielt Energieforscher Gerfried Jungmeier vom Grazer Joanneum entgegen, dass Biotreibstoffe "made in Austria" massiv zur Treibhausgaseinsparung gegenüber Mineralölpendants beitrügen. In Pischelsdorf sei die Einsparung von 50 Prozent im Jahr 2008 auf heute 70 Prozent gesteigert worden. Für Jungmeier ein "hervorragender Wert". Laut EU-Richtlinie müsse die Treibhausgaseinsparung im Lebenszyklus von Biotreibstoffen momentan zumindest 35 Prozent betragen, ab 2018 dann 60 Prozent. Berücksichtigt werden dabei die Emissionen - neben CO2 auch Lachgas oder Methan - vom Anbau der Rohstoffe bis zum Einsatz im Fahrzeug.

Auch das vielfach gegen E10 vorgebrachte Argument, der Biospritboom in Europa und den USA lasse weltweit die Nahrungsmittelpreise in die Höhe schnellen ("Tank versus Teller"), könne so nicht stehen bleiben, sagte der Agrarökonom Harald von Witzke von der Berliner Humboldt-Universität. Er nahm die massiven Preissteigerungen an den Weltagrarmärkten 2007/08 unter die Lupe und kam zum Schluss, dass dafür hauptsächlich der Ölpreis und die Transportkosten verantwortlich gewesen seien. Und: Die Ressourcenknappheit existiere zwar, werde aber überschätzt. Im Übrigen buhlten auch Baumwolle, Kautschuk oder Blumen um landwirtschaftliche Nutzflächen.

Was Österreich puncto E10-Einführung von Deutschland lernen kann, erläuterte Marten Keil, ab Juli Vorstand des deutschen Bioethanolherstellers CropEnergies. Wichtig sei, die Verbraucher frühzeitig aufzuklären. In Deutschland hatten Autofahrer ja massive technische Bedenken, vor allem, nachdem ein BMW-Techniker via Medien den Verdacht geäußert hatte, E10 könnte den Motorenverschleiß bei allen Fahrzeugen erhöhen. Zudem, so Keil, hätten Tankwarte ihren Kunden von E10 abgeraten. "Sicherlich nicht förderlich" seien auch Warnhinweise an den Zapfsäulen gewesen. Nun, nach eineinhalb Jahren, sei aber die deutsche E10-Diskussion "vom Tisch", der Marktanteil von E10 liege bei rund 14 Prozent. Das Hauptmotiv, warum deutsche Autofahrer E10 tanken, sei der Preis. Derzeit sei ein Liter E10 um 4 Cent billiger als ein Liter Super E5.

Dass E10 im Oktober in Österreich flächendeckend kommt, wird von vielen bezweifelt. Die Arbeiterkammer brachte heute erneut ihre Ablehnung zum Ausdruck: "Erstens treibt die Verspritung von Weizen und Mais die Lebensmittelpreise in die Höhe. Zweitens bringt die Maßnahme trotz hoher Kosten für das Klima keine Entlastung. Drittens führt die weltweite Nachfrage nach Agrotreibstoffen zu massiven Rodungen in den noch bestehenden Urwäldern der Erde. Viertens würde eine Erhöhung des E10-Anteils die ohnehin hohen Spritpreise weiter in die Höhe treiben. Und fünftens hat Österreich schon jetzt das EU-Ziel, dass bis 2020 zehn Prozent der Energie für den Verkehr aus erneuerbaren Quellen stammen sollen, fast erreicht", hieß es in einer Aussendung.

Das Landwirtschaftsministerium erachtet die Einführung von E10 als "sinnvolle Maßnahme für den Umwelt- und Klimaschutz".. "Ziel bleibt Oktober." Dafür braucht Berlakovich aber den Segen von Verkehrsministerin Doris Bures, die sich wiederholt gegen E10 ausgesprochen hat.