Erstellt am 27. März 2012, 14:56

Berufswahl: Pilotprojekt für Jugendliche. Rund 50 Prozent der jungen Burgenländer kommen laut Wirtschaftskammer (WK) ein bis zwei Jahre nach dem Einstieg ins Arbeitsleben zum Schluss, dass sie die falsche Berufswahl getroffen haben.

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Ein Pilotprojekt soll diesen Wert senken: Mit einem Testverfahren werden Eigenschaften von Lehrstellensuchenden sowie Anforderungen der Lehrbetriebe für die einzelnen Jobs erfasst und miteinander abgeglichen. "Ziel beziehungsweise Ergebnis der Maßnahme sollte also sein: Der richtige Lehrling für den richtigen Betrieb", erläuterte WIFI Burgenland-Kurator Josef Wiesler bei der Präsentation am Dienstag in Eisenstadt.

Beim "profilingvalues"-Werteprofil genannten Verfahren werden mittels eines Fragebogens Informationen über Eigenschaften des Lehrstellensuchenden wie etwa praktisches Denken, Zielorientierung, Belastbarkeit und soziale Kompetenz erhoben, erläuterte Wiesler: "Der Fragebogen wird ausgewertet und wird mit dem Lehrling besprochen." Mit den Jugendlichen werde dann auch über ihre Entwicklungsmöglichkeiten gesprochen.

Das Profil des Lehrstellensuchenden und jenes des Lehrplatzes mit seinen konkreten Anforderungen werden dann verglichen. Mit dem Werteprofil glaube man, ein Verfahren gefunden zu haben, das für beide Seiten bessere Entscheidungshilfen anbiete, so Wiesler.

Im Rahmen des Pilotprojekts sollen vorerst 200 Lehrstellensuchende gratis getestet und 200 Lehrplätze analysiert werden. Das Land Burgenland unterstützt das Vorhaben mit 89.500 Euro aus dem Fonds für Arbeit und Wirtschaft, erklärte Landeshauptmannstellvertreter Franz Steindl (V).

Derzeit sind im Burgenland 3.926 Jugendliche in Ausbildung, so Wirtschaftskammerpräsident Peter Nemeth. Insgesamt gebe es 1.023 Lehrbetriebe. 910 Jugendliche sind im ersten Lehrjahr, 229 von ihnen werden in überbetrieblichen Einrichtungen ausgebildet. Zehn Prozent aller 15- bis 24-jährigen Jugendlichen steigen im Burgenland ohne Schulabschluss aus dem Bildungssystem aus, berichtete Nemeth.

30 bis 40 Prozent der Jugendlichen an mittleren und höheren Schulen würden die Ausbildung abbrechen. Dazu kommt noch ein demografisches Problem: "2008 hatten wir noch 2.756 15-Jährige. 2017 werden es 2.160 sein", das bedeute ein Minus von 22 Prozent. Eine Lehre biete eine besonders gute Chance, später einmal im Berufsleben erfolgreich zu sein, meinte Nemeth: "29 Prozent aller in leitenden Positionen Tätigen haben ihre Berufskarriere mit einer Lehre begonnen."