Erstellt am 13. November 2012, 13:16

Betriebe im Invest-Streik. Die österreichischen Unternehmen sind in eine Art Investitionsstreik getreten und wollen zu 30 Prozent nicht einmal mehr die mittelfristig für das laufende Geschäft notwendigen Ersatzinvestionen tätigen.

Nur mehr 35 Prozent geben an, Neuinvestitionen realisieren zu wollen - gegenüber noch 58 Prozent vor einem halben Jahr. Dies geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Wirtschaftsbarometer der Wirtschaftskammer (WKÖ) hervor. Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl sagte im Klub der Wirtschaftspublizisten, er sehe "eine Eintrübung, aber keinen Einbruch". "Bevor es besser wird, wird es schlechter."

Das Wirtschaftsklima hält in der Umfrage gegenwärtig bei einem Punktestand von minus 33, die Erwartungen für die nächsten sechs Monate liegen bei minus 41 Punkten (Saldo aus positiven und negativen Antworten). An der Wirtschaftsbarometer-Umfrage nahmen 2.953 Unternehmen teil.

Um kurzfristig eine höhere Arbeitslosigkeit zu vermeiden und gleichzeitig das Budget zu schonen solle man einen Handwerkerbonus einführen, durch den bis zu 6.000 Euro pro Jahr abzugsfähig würden. Damit würde man Ausgaben aus der Schattenwirtschaft abziehen und für das Budget einen 100-prozentigen Rückfluss der entgangenen Steuermittel ermöglichen. Auch Wifo-Chef Karl Aiginger bestätige, dass der in Deutschland bereits umgesetzte Bonus für ein probates Mittel gegen mehr Arbeitslose und selbstfinanzierend sei.

Die Forderung nach einer Investitionszuwachsprämie wiederholte Leitl nicht. Weitere Vorschläge der Wirtschaftskammer betrafen einen auf 1.000 Euro erhöhten Abschreibungsrahmen für geringfügige Wirtschaftsgüter sowie die Erweiterung des öffentlichen Garantierahmens für Unternehmenskredite durch die österreichische Förderstelle aws. Leitl verglich dies mit den Milliardengarantien der Euro-Rettungsschirme: "Förderungen schlagen sich nur 1:1 nieder, Garantien 1:10."

Die österreichischen Neuinvestitionen hatten sich nach dem Einbruch 2008/09 lange nur zögerlich entwickelt und erst 2011 wieder stärker gewachsen.

Der nunmehrige erneute Rückgang der Investitionsbereitschaft sei auch auf die unsicheren Aussichten der Eurozone zurückzuführen, räumte Leitl ein, der für eine stärkere europäische Integration eintritt. Die Union befinde sich "nicht in einer Eurokrise, sondern in einer Reformkrise." Er selbst habe zwar keine Patentrezepte - ein Aufbrechen des Währungsraums sei jedenfalls kein adäquates Rezept. Ein solches Szenario würde 100.000 mehr Arbeitslose in Österreich bedeuten.

Griechenland, das in den nächsten Tagen weitere 31 Mrd. Euro vom EFSF bekommen soll, sollten die bisher gewährten Kredite auf 50 Jahre gestundet werden, wiederholte der Wirtschaftskammerpräsident. Dann könne das Vertrauen zurückkehren und die Griechen würden ihre auf 190 Prozent des BIP angewachsenen Staatsschulden wieder refinanzieren können.

Der höher verschuldete japanische Staat könne dies ja auch. Und die USA seien noch stärker verschuldet als Europa und hätten schon wieder mehr Wirtschaftswachstum als alte Kontinent, erklärte der WKÖ-Chef.