Erstellt am 02. Februar 2011, 12:25

BEWAG soll reiner Energiekonzern werden. Die BEWAG soll sich in den kommenden Jahren zu einem reinen Energiekonzern entwickeln. Das Kerngeschäft, die Stromerzeugung und der -transport werden massiv ausgebaut, skizzierte am Mittwoch das neue Vorstandsduo Michael Gerbavsits und Reinhard Schweifer bei einer Pressekonferenz in Parndorf die Zukunftspläne für den burgenländischen Energieversorger.

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Während in den Windkraftausbau und den Netzbetrieb in den nächsten Jahren über 400 Mio. Euro fließen sollen, will man sich von sämtlichen ausländischen Beteiligungen trennen.

Der massive Ausbau der Windenergie und "die Formung eines schlagkräftigen Energiedienstleisters aus BEWAG und Begas" seien die großen Herausforderungen der kommenden fünf Jahre, erläuterte Gerbavsits. Die "neue BEWAG" soll aus den Bereichen Erzeugung, Netzbetrieb und Vertrieb bestehen: "Wir wollen uns als die Nummer Eins Ökoregion in Europa positionieren." Man sei in Österreich jetzt schon der mit Abstand größte Ökostromproduzent. Derzeit betreibe die BEWAG-Tochter Austrian Wind Power 138 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 242 Megawatt (MW).

In den kommenden Jahren sollen 350 Mio. Euro in den Ausbau der Windkraft investiert werden. 2013 soll dann im Burgenland soviel Strom produziert werden wie auch verbraucht wird. "Wenn alle geplanten Parks in Betrieb sind, werden wir im Burgenland eine Einspeisleistung von etwa 1.000 MW haben", so Gerbavsits: "Das ist die Leistung von fünf Donaukraftwerken, die wir dann hier erbringen werden." Zusätzlich will die BEWAG in den kommenden Jahren 66 Mio. Euro in den Netzausbau investieren. Rund zehn Mio. Euro würden zusätzlich jährlich für die Wartung aufgewendet.

In Sachen Finanzierung beginne man jetzt mit den Banken Gespräche. Die BEWAG sei gut ausgestattet, sagte Gerbavsits: "Wir haben ein hohes Maß an Liquidität, wir haben Reserven." Das Unternehmen verfüge über 34 bis 35 Prozent Eigenkapitalanteil. "Ich kann schon sagen, dass die größten Banken Österreichs vor der Tür stehen.", meinte der Vorstandssprecher.

Beim Rückzug aus den Auslandsbeteiligungen habe man "keinen Verkaufsdruck, und wir machen uns auch keinen." "Schnäppchenjägern" könne man ausrichten: "Das wird's nicht spielen", so Gerbavsits. Man habe auch das Elektronikunternehmen BECOM vergangene Woche erst im dritten Anlauf verkauft. "Größter Brocken" im Portefeuille der zum Verkauf anstehenden Betriebe sei der Telekombetreiber B.net Croatia.

"Wir könnten unseren Terminkalender für die ganze Woche füllen, wenn wir nur mit potenziellen Investoren, Vermittlern, et cetera sprechen würden", meinte Gerbavsits. Aus dem Auslandsgeschäft ziehe man sich "nicht zurück, weil's nicht funktioniert, sondern weil wir eine neue Strategie haben." Die BEWAG sei "zu klein", um ein mitteleuropäischer Konzern mit mehreren Komponenten zu sein.

Im burgenländischen Seewinkel werde man die Windkraftkapazitäten fast verdoppeln. "Die Zukunft der BEWAG schaut in mehreren Facetten gut aus", meinte Vorstandsdirektor Schweifer. Abseits der großen Investitionen werde man sich etwa im Bereich der E-Mobilität betätigen. "Wenn wir unsere ganze Managementkapazität und unsere Finanzierungskraft hier in den Ausbau der Windenergie stecken, dann haben wir das Unternehmen auf 15, 20 Jahre gut abgesichert", so Gerbavsits. Wenn man einen schlagkräftigen Energiekonzern im Burgenland habe und der Windenergieausbau abgeschlossen sei, dann werde man sich andere Themen wie die E-Mobilität oder dezentrale Energieversorgung über Photovoltaik überlegen müssen.