Erstellt am 15. Dezember 2010, 15:53

BEWAG-Vorstände gehen "ohne Groll". Eine Bilanz über ihre Jahre in der BEWAG-Chefetage haben am Mittwoch die scheidenden Vorstände Hans Lukits und Josef Münzenrieder in Eisenstadt gezogen.

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Das Unternehmen sei operativ "gut aufgestellt" und habe sich wirtschaftlich "hervorragend entwickelt", so Lukits. Die Vorstände betonten, "ohne Groll" zu gehen, machten aber auch keinen Hehl aus den Auffassungsunterschieden mit den Eigentümervertretern und dem Aufsichtsrat, die schließlich zur Entscheidung geführt hätten, die Vorstandstätigkeit mit Jahresende zu beenden.

Lukits kam Mitte April 2002 in den Vorstand, Münzenrieder folgte ein Jahr später. Seine fast neun Jahre im Unternehmen unterteilte Lukits in eine "schöne Hälfte" und in die Zeit ab Dezember 2007. Damals habe eine Hauptversammlung ohne formalen Beschluss einen "totalen Strategiewandel" gebracht. Danach sei es "nicht so schön" gewesen.

Anfangs war die Liberalisierung des Stromgeschäfts das Thema, die BEWAG habe sie nach seiner Einschätzung "gut bewältigt", blickte der Vorstandssprecher zurück. Beim Stromnetz habe man die höchsten Verfügbarkeitswerte in Österreich. Seit der Beginn Liberalisierung habe das Unternehmen jedoch 17 Mio. Euro an Netzerlösen verloren, obwohl der mengenmäßige Umsatz um fast 30 Prozent gestiegen sei.

Die BEWAG trat der Energie Allianz bei. Das Ökostromgesetz 2002 habe man zum Ausbau der Windkraft genutzt. Mittlerweile sei die BEWAG "der größte Windstromproduzent Österreichs." Zur bestehenden Leistung von 270 Megawatt sollen in den kommenden Jahren sollen "mindestens 300, wenn nicht eher 400" dazukommen, so Lukits.

Die mittlerweile 100-prozentige BEWAG-Tochter Becom sei bei seinem Beginn als Vorstand "praktisch vor der Pleite" gestanden. Er habe sich für eine Sanierung entschieden, heute beschäftige das Unternehmen rund 440 Mitarbeiter. Das damalige Kabelunternehmen BKF wurde mit der Well.COM zu B.net fusioniert und verkauft. Auch mit der internationalen Ausrichtung des Unternehmens sei - zunächst mit der Entwicklung von Windkraftprojekten in mehreren Ländern - begonnen worden. In Ungarn kaufte die BEWAG einige kleine Funknetzbetreiber und Anfang 2007 in Kroatien zwei Kabelnetzbetreiber. Damals habe man sich zum Ziel gesetzt, im Telekomgeschäft rund 100 Mio. Euro Umsatz zu erreichen.

Der Umsatz der BEWAG sei seit 2002 von 165 Mio. Euro auf 286 Mio. Euro gestiegen, so Lukits. Heuer - im Jahr Eins nach der Finanzkrise - gebe es ein operatives Ergebnis von von zwölf Millionen Euro. Die Bilanzsumme liege derzeit bei 723 Mio. Euro. Der Substanzwert des Unternehmens sei von 188 Mio. auf 222 Mio. gestiegen, so der Vorstandssprecher. In den vergangenen sechs Jahren habe man fast 50 Mio. Euro an Dividenden ausgeschüttet, um gut 16 Mio. mehr als im gleich langen Zeitraum davor.