Erstellt am 03. Februar 2014, 16:45

Bienensterben macht Imkern zu schaffen. Nach der Aufregung um das Bienensterben hat der Nationalrat im Vorjahr ein weitgehendes Verbot von Neonicotinoiden - Pflanzenschutzmittel, die seit den 1990er-Jahren in der Landwirtschaft eingesetzt wurden - beschlossen.

 |  NOEN, ROBERT JAEGER (APA)
Die Regelung trat im Oktober in Kraft. Imkern im Nordburgenland macht der Tod von zahlreichen Bienenvölkern allerdings weiterhin zu schaffen. 

Ein Betroffener ist der Nebenerwerbsimker und frühere Landesobmann des Bienenzuchtverbandes, Konrad Schneider. Er habe im Herbst rund 100 Stöcke eingewintert. Rund 60 davon, die bei Feldern aufgestellt seien habe er verloren, berichtete der Bio-Imker aus dem Bezirk Neusiedl. Etwa 40 Stöcke, die nahe am oder im Wald aufgestellt seien, dürften überleben. Anderen Imkern gehe es ähnlich.

"Jeder Bauer sollte Spritzbuch führen"

Eine Ursache für die hohen Ausfälle vermutet er weiterhin im Einsatz von Pflanzenschutzmitteln: "Wir glauben, dass das auf keinen Fall die Varroa (-milbe, Anm.) ist, sondern Pestizide." Beim Raps beispielsweise werde auch weiterhin mit sogenannten systemischen Mitteln gearbeitet. Dabei handle es sich um Stoffe, welche die Pflanzen aufnehmen: "Die ganze Pflanze wird dann zum Insektizid."

Problematisch sei die Halbwertszeit mancher Mittel, die ein oder zwei, manchmal sogar drei Jahre dauern könne: "Dann ist die Hälfte abgebaut." Ein weiteres Problem sei, dass Landwirte oft während der Blütezeit spritzen würden, was verboten sei. "Da sollte jeder Bauer ein Spritzbuch haben, wo er festhält, was er gespritzt hat, damit er auch zur Verantwortung gezogen werden kann", meinte Schneider.

Schwer abbaubare Substanzen 

In den betroffenen Bienenstöcken hätten die Bienen langsam den Stock verlassen. Nur die Waben und der Honig blieben zurück. Durch schwer abbaubare Substanzen komme es zu einem Teufelskreis. Wenn ein Landwirt im Frühjahr Raps angebaut und Neonicotinoide eingesetzt habe und danach im Herbst beispielsweise Buchweizen anbaue, würden die Rückstände im Boden wieder von den Pflanzen aufgenommen. Der Pollen, den die Bienen dann in den Stock eintragen, sei belastet.

Die hohe Ausfallsrate sei dann wirtschaftlich zu spüren: Schneider schätzte die Kosten für den entgangenen Ertrag einschließlich der Entsorgung eines ausgestorbenen Stockes auf mindestens 400 Euro.

Für die Zukunft wünsche er sich, "dass man allgemein mehr auf biologische Landwirtschaft setzt und nicht auf die intensive, konventionelle Landwirtschaft, die permanent Pestizide einsetzt", meinte Schneider. Bienen seien schließlich ein ganz wichtiger Umweltindikator: "Wenn es denen schlecht geht, dann weiß man ganz einfach, dass es der Umwelt nicht gut geht."

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Nach dem Tod von Bienenvölkern in Deutsch Jahrndorf im Bezirk Neusiedl am See fordert die Industriegruppe (IG) Pflanzenschutz eine genaue und unabhängige Untersuchung der Hintergründe. "Wir nehmen jeden Verlust an Bienen sehr ernst. Allerdings verwehren wir uns auch gegen pauschale Verdächtigungen und unsachliche Anschuldigungen gegen Pflanzenschutzmittel", hieß es am Dienstag in einer Aussendung.

"Weitere Ursachen, wie etwa die Varroamilbe oder die amerikanische Faulbrut müssen als Ursache abgeklärt werden", erklärten Christian Stockmar und Martin Schöpfer, Vorstände der Industriegruppe Pflanzenschutz. An Aussagen eines Imkers, Neonicotinoide seien eine Hauptursache für die aktuellen Bienenverluste, seien "Zweifel mehr als berechtigt."

Die Abbauzeit von Neonicotinoiden im Boden betrage laut IG Pflanzenschutz nicht zwei bis drei Jahre, sondern 30 bis 50 Tage. "Pflanzenschutzmittel mit einer derart langsamen Abbaurate würden nie zugelassen werden", so die beiden Vorstände. Auch die Aussage, dass Rückstände der Neonicotinoide auch in der Folgefrucht nachweisbar wären, wies die IG zurück: "Wenn moderne Pflanzenschutzmittel gemäß ihrer gesetzlich festgesetzten Zulassung eingesetzt werden, dann sind sie für die Bienen ungefährlich."

Studien im Auftrag der EU hätten nachgewiesen, dass Schädlingsbefall durch die Varroamilbe und Krankheiten wie die amerikanische Faulbrut die Hauptursache für die Bienenverluste seien und die Pflanzenschutzmittel "dieselben Auswirkungen haben, wie schlechtes Wetter."

Die IG Pflanzenschutz besteht nach eigenen Angaben aus den 15 wichtigsten Produzenten und Händlern von Pflanzenschutzmitteln in Österreich. Der jährliche Umsatz der heimischen Pflanzenschutzmittelbranche beläuft sich laut Angaben auf rund 130 Millionen Euro. Das Weltmarktvolumen für Pflanzenschutzmittel lag 2012 bei rund 36 Milliarden Euro.