Erstellt am 12. März 2012, 14:09

Bier-Insiderprozess beginnt mit Freispruch. Die Wiederholung des Bier-Insiderprozesses hat am ersten Prozesstag überraschend mit einem Freispruch für einen der zwölf Angeklagten begonnen. Paul Kretz wurde vom Vorwurf des Insiderhandels freigesprochen, nachdem Staatsanwalt Bernhard Löw die Anklage gegen ihn zurückzog.

Der ehemalige Brau Union-Chef Karl Büche sitzt ebenfalls auf der Anklagebank.

Nach dem bleiben noch elf Beschuldigte, die sich wegen Verdacht auf Insiderhandel rund um die Übernahme der BBAG/Brau Union durch den niederländischen Heineken-Konzern im Jahr 2003 verantworten müssen. Die sogenannten früheren "Bier-Barone" bzw. deren Angehörige weisen alle Vorwürfe zurück.

Staatsanwalt Bernhard Löw wirft den Angeklagten vor, sie hätten Insiderwissen über den geplanten bevorstehenden Verkauf der BBAG/Brau Union für lukrative Aktienkäufe ausgenutzt - bevor noch die Öffentlichkeit über die Pläne des börsenotierten Konzerns etwas erfahren habe. Die Angeklagten werden dabei in Primär- und Sekundärinsider eingeteilt: Primärinsider sollen aufgrund ihrer Funktion bzw. ihres Eigentums die vertrauliche Information selbst erlangt haben, Sekundärinsider - im konkreten Fall Familienmitglieder - erhielten die Infos demnach von den Primärinsidern. Insiderhandel sei kein Kavaliersdelikt, argumentierten der Staatsanwalt und die Vertreterin der Finanzmarktaufsicht (FMA), Ingrid Wilfing. Für den Börseplatz Wien sei Transparenz eine unverzichtbare Bedingung, um allen Anlegern gleiche Voraussetzungen für ihre Aktientransaktionen zu verschaffen.

Zwölf Angeklagte saßen zu Prozessbeginn auf der Anklagebank im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Landesgerichts. Elf davon waren bereits im Jahr 2007 in einem ersten Prozess von Richter Thomas Kreuter freigesprochen worden, das OLG hatte die Freisprüche aber gekippt. Den Sekundärinsidern unter den Angeklagten wurde ein Angebot auf Diversion gemacht. Alle lehnten das Angebot jedoch ab.