Erstellt am 22. Juli 2013, 16:57

Biomasse-Kraftwerk Güssing insolvent. Die Biomasse-Kraftwerk Güssing GmbH und Co KG und deren Komplementärin Biomasse-Kraftwerk Güssing GmbH sind mit Passiva von 5,97 Mio. Euro insolvent. Ein Sanierungsverfahren mit Eigenverantwortung beim Landesgericht Eisenstadt wurde beantragt, teilte der KSV1870 am Montag mit.

Der Sanierungsplanvorschlag lautet auf eine Quote von 30 Prozent, zahlbar binnen zwei Jahren.
Betroffen von der Insolvenz sind insgesamt neun Mitarbeiter - inklusive Geschäftsleitung. Das teilte ein Unternehmenssprecher der Mehrheitsgesellschafterin Care Beteiligungsverwaltung GmbH mit. Man wolle weitermachen und hoffe, dass die Mitarbeiter mitübernommen werden können. "Wir rechnen mit einer Weiterführung", so Care-Chef Mukul Rajpal. Das Europäischen Zentrum für Erneuerbare Energie ist von der Insolvenz im Übrigen "überhaupt nicht betroffen", sagte Geschäftsführer Reinhard Koch.

Das Forschungsprojekt, das später auch von Land, Bund und der Europäischen Union unterstützt wurde, wurde 2000 gestartet. Eine von der Technischen Universität Wien entwickelte Technologie zur effizienten Energiegewinnung aus Biomasse wurde erstmals weltweit in der Stadt Güssing in Form einer Forschungs- und Pilotanlage errichtet, hieß es in einer Aussendung. Seither haben internationale Wissenschafter daran gearbeitet, diese Technologie der "Thermischen Wirbelschicht Dampfvergasung" weiterzuentwickeln.

Seit 27. Juni stehen die Maschinen nun still, was nicht nur Konsequenzen für die Mitarbeiter, sondern auch für Kunden, wie etwa die Fernwärme Güssing, hat. Dort musste man quasi von heute auf morgen umschalten und muss Industriekunden nun mit den eigenen Anlagen versorgen, erklärte Geschäftsführerin Daniela Stukitz. "Bis jetzt haben wir fertige Wärme zugekauft, jetzt produzieren wir."

Zwar sei die Insolvenz "nicht überraschend aber trotzdem tragisch", sagte Stukitz. Seitens der Fernwärme Güssing denke man bereits über diverse zukünftige Möglichkeiten nach. Momentan hoffe man, dass das Werk so schnell wie möglich wieder in Betrieb genommen werde - besonders im Hinblick auf die kühlere Jahreszeit, wenn auch Privatpersonen wieder ordentlich versorgt werden müssen. Die Energie Burgenland, die seit der Schließung keinen Strom mehr geliefert bekommt, ist nicht beeinträchtigt.

Bereits mehrmals kursierten in der Vergangenheit Gerüchte über eine mögliche Schließung. Ende März hatte Koch bereits Stellung zu einem drohenden Aus bezogen: Durch den Verlust des Status als Pilotanlage und der Einstufung als kommerzielle Anlage könnten der Einrichtung Hunderttausende Euro an Forschungsprämie (für 2011 und 2012 laut KSV1870 630.000 Euro, Anm.) entgehen, so Koch damals. Eine Berufung brachte nichts, der Förderstatus blieb verloren und bedeute nunmehr die Insolvenz.