Erstellt am 22. Juli 2013, 13:12

Biomasse-Kraftwerk Güssing insolvent. Die Biomasse-Kraftwerk Güssing GmbH und Co KG und deren Komplementärin Biomasse-Kraftwerk Güssing GmbH sind mit Passiva von 5,97 Mio. Euro insolvent.

Das Biomassekraftwerk wird schon bald wieder seinen Betrieb aufnehmen.LEXI  |  NOEN
Ein Sanierungsverfahren mit Eigenverantwortung beim Landesgericht Eisenstadt wurde beantragt, teilte der KSV1870 am Montag in einer Aussendung mit. Der Sanierungsplanvorschlag lautet auf eine Quote von 30 Prozent, zahlbar binnen zwei Jahren.

Das mittlerweile weltweit anerkannte Unternehmen wurde im Jahr 2000 als Forschungsanlage gegründet. Als Ursachen für die Pleite nannten die Schuldner ausbleibende Förderungen. Das zuständige Finanzamt habe zuletzt entschieden, dass ab dem Jahr 2011 die Forschungsprämie nicht mehr ausbezahlt werde. Dadurch sei ein Zuschuss in der Höhe von 630.000 Euro für die beiden letzten Jahre nicht mehr zu lukrieren gewesen. Des Weiteren habe die Hausbank der Schuldner die Kredite fällig gestellt, weshalb keine Liquidität gegeben sei, hieß es in der Pressemitteilung.

Die Mehrheitsgesellschafterin Care Beteiligungsverwaltung GmbH will versuchen, die notwendigen finanziellen Mittel für den Fortbetrieb und die Sanierungsplanquote aufzubringen. Die Forderungen der Gläubiger können bis 23. August über den KSV1870 geltend gemacht werden.

Zum Masseverwalter wurde Peter Hayek sen. in Eisenstadt bestellt. Die Berichtstagsatzung wurde für den 5. August, 11.30 Uhr, Saal B, anberaumt, die Prüfungstagsatzung für den 9. September, 11.30 Uhr, Saal B. Die Anmeldefrist endet am 26. August.

Lesen Sie mehr: Neun Mitarbeiter von Insolvenz betroffen

Neun Mitarbeiter von Insolvenz betroffen

Von der am Montag bekannt gewordenen Insolvenz der Biomasse-Kraftwerk Güssing GmbH sind insgesamt neun Mitarbeiter - inkl. Geschäftsleitung betroffen. Das teilte ein Unternehmenssprecher der Mehrheitsgesellschafterin Care Beteiligungsverwaltung GmbH mit. Man wolle weitermachen und hoffe, dass die Mitarbeiter mitübernommen werden können. "Wir rechnen mit einer Weiterführung", so Care-Chef Mukul Rajpal. Das Europäischen Zentrum für Erneuerbare Energie ist von der Insolvenz im Übrigen "überhaupt nicht betroffen", sagte Geschäftsführer Reinhard Koch.

Das Forschungsprojekt, das später auch von Land, Bund und der Europäischen Union unterstützt wurde, wurde 2000 gestartet. Eine von der Technischen Universität Wien entwickelte Technologie zur effizienten Energiegewinnung aus Biomasse wurde erstmals weltweit in der Stadt Güssing in Form einer Forschungs- und Pilotanlage errichtet, hieß es in einer Aussendung. Seither haben internationale Wissenschafter daran gearbeitet, diese Technologie der "Thermischen Wirbelschicht Dampfvergasung" weiterzuentwickeln.

Seit 27. Juni stehen die Maschinen nun still, was nicht nur Konsequenzen für die Mitarbeiter, sondern auch für Kunden, wie etwa die Fernwärme Güssing, hat. Dort musste man quasi von heute auf morgen umschalten und muss Industriekunden nun mit den eigenen Anlagen versorgen, erklärte Geschäftsführerin Daniela Stukitz. "Bis jetzt haben wir fertige Wärme zugekauft, jetzt produzieren wir."

Zwar sei die Insolvenz "nicht überraschend aber trotzdem tragisch", sagte Stukitz. Seitens der Fernwärme Güssing denke man bereits über diverse zukünftige Möglichkeiten nach. Momentan hoffe man, dass das Werk so schnell wie möglich wieder in Betrieb genommen werde - besonders im Hinblick auf die kühlere Jahreszeit, wenn auch Privatpersonen wieder ordentlich versorgt werden müssen. Die Energie Burgenland, die seit der Schließung keinen Strom mehr geliefert bekommt, ist nicht beeinträchtigt.

Bereits mehrmals kursierten in der Vergangenheit Gerüchte über eine mögliche Schließung. Ende März hatte Koch im APA-Gespräch bereits Stellung zu einem drohenden Aus bezogen: Durch den Verlust des Status als Pilotanlage und der Einstufung als kommerzielle Anlage könnten der Einrichtung Hunderttausende Euro an Forschungsprämie (für 2011 und 2012 laut KSV1870 630.000 Euro, Anm.) entgehen, so Koch damals. Eine Berufung brachte nichts, der Förderstatus blieb verloren und bedeute nunmehr die Insolvenz.