Erstellt am 18. September 2014, 15:20

von APA/Red

"Brutale" Schleuderpreise: Milchwirtschaft appelliert an Handel. Die österreichische Milchwirtschaft steht wegen der Ukraine- bzw. Russland-Krise und des Auslaufens der Milchquote mit Ende März 2015 vor großen Herausforderungen.

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Man sei vorbereitet und werde versuchen, den Export zu steigern, sagte VÖM-Präsident Helmut Petschar (Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter) am Donnerstag anlässlich der diesjährigen milchwirtschaftlichen Tagung in Bad Vöslau.

Russland-Importembargo wirkt sich negativ aus

Das erste Halbjahr sei absatzmäßig trotz um fünf Prozent mehr angelieferter Mengen gut verlaufen, die durchschnittliche Zahlung der Molkereien an die Milchbauern lag bei 45,38 Cent, ein Plus von 13,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, so Petschar. Das Russland-Importembargo störe den EU-Milchexportmarkt allerdings empfindlich: Russland habe 2013 etwa 250.000 Tonnen Käse und 35.000 Tonnen Butter importiert - diese Mengen seien jetzt am Markt.

Angesichts der Dimension des Problems für den europäischen Markt seien unterstützende Maßnahmen seitens der EU erforderlich. Man sei aber zuversichtlich, dass aus Russland wieder positive Signale kommen werden: Laktosefreie Produkte seien relativ rasch wieder freigegeben worden, das Land werde mangels ausreichender Eigenversorgung unter Zugzwang kommen.

Einkommenssituation wird immer schlechter

Aufgrund des Strukturwandels werde die Einkommenssituation für die klein strukturierte Milchwirtschaft immer schlechter, wurde betont. Unter Hinweis auf den angekündigten Milchpreis des Diskonters "Penny" von 49 Cent sprach Petschar den Appell zu Loyalität des Lebensmittelhandels aus. Österreichische Qualität müsse eine Rolle spielen und etwas wert sein. Petschar zeigte Verständnis für den Handel, forderte aber eine "faire Partnerschaft" der Wertschöpfungskette Bauern - Molkereien - Handel - Konsumenten ein, bei der es keine Sieger und keine Verlierer geben dürfe.

Hochqualitätsprodukte werden "brutal verschleudert"

Leopold Gruber-Doberer, Geschäftsführer der 3.500 Milchbauern umfassenden MGN Milchgenossenschaft NÖ, wurde noch deutlicher: Einerseits würden die Bauern als Werbeträger für Natur und Erhaltung der auch touristisch wichtigen Kulturlandschaft benutzt, andererseits ihre Hochqualitätsprodukte "brutal verschleudert". Generell sei Österreich nach Deutschland im Vergleich etwa zu Italien hinsichtlich Milch ein "Billigland". Den Milchpreis zu steigern sei unrealistisch, ihn zu halten die Herausforderung, so Gruber-Doberer.

Auf das Auslaufen der Milchquote sei man vorbereitet: Die Qualität - bei Bio-Produkten sei Österreich führend - sei international gefragt, auch rund um Österreich sei "noch Platz" für österreichische gentechnikfreie Milchprodukte, nannte Petschar etwa Kroatien als "Hoffnungsmarkt". Gruber-Doberer sah Chancen in Drittmärkten. Er führte an, dass die MGN-Mitglieder laut einer Mitgliederbefragung signalisierten, ihre Mengen nach dem Quoten-Aus um 15 bis 20 Prozent steigern zu wollen.