Erstellt am 18. Oktober 2016, 12:18

von APA Red

Banken fürchten Belastungen durch neue Regularien. Der burgenländische Bankensektor sieht sich mit neuen Herausforderungen konfrontiert, dies erklärten Bankenvertreter bei einem Pressegespräch am Dienstag.

 |  NOEN

Besonders neue Regularien, wie das zentrale Kontoregister sowie die in Arbeit befindliche "Basel IV"-Vorgabe bereiten den Finanzdienstleistern Sorgen. Sie rechnen mit erhöhtem Verwaltungsaufwand und schärferen Regeln bei der Kreditvergabe.

Kritisch sehe man "Basel IV". Diese zurzeit in Arbeit befindliche Regulierung dürfte weitere Verschärfungen bei Kreditvergaben sowie bei Eigenkapitalanforderungen bringen. "Das wird massive Auswirkungen auf Realwirtschaft haben", so der Spartenobmann und Direktor der Volksbank Südburgenland, Harald Berger. Wohnbaufinanzierungen würden zudem deutlich teurer werden. Auch das zentrale Kontoregister, welches seit Anfang Oktober in Kraft ist, schmerzt. Es bedeute einen hohen Aufwand für die EDV der Banken, erklärte der Spartenobmannstellvertreter, Raiffeisenlandesbank-Burgenland-Generaldirektor Rudolf Könighofer.

"Legen auf unsere ungarischen Kunden größten Wert"

Am Ostgeschäft wollen die burgenländischen Banken festhalten, trotz der gesetzlichen Einschränkungen durch die ungarische Regierung. "Wir glauben an den westungarischen Raum", so Gerhard Nyul, Spartenobmann-Stellvertreter und stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Bank Burgenland.

Gleichzeitig würden die ungarischen Pendler, welche in Österreich arbeiten und hier ihre Bankgeschäfte erledigen, immer wichtiger. "Wir legen auf unsere ungarischen Kunden größten Wert", meinte Nyul weiter. Diese würde man mit eigenen, ungarisch sprechenden Mitarbeitern betreuen.

Eine Kreditklemme kann Könighofer nicht ausmachen, vielmehr fehle es an der Nachfrage. Statt großen Investitionen gebe es bei den Firmen derzeit "Ersatzinvestitionen". Trotz all dem könne man eine Steigerung von fünf bis acht Prozent bei Kreditvergaben an Private sowie an Handel und Gewerbe vorweisen.

Bei Privatpersonen merke man, dass im Burgenland weniger gespart werde, meinte der Raiffeisen-Chef gegenüber der APA. "Durch die derzeitigen Zinsen ist Sparen nicht mehr attraktiv", so Könighofer. Am begehrtesten seien nach wie vor Sparbuch, Bausparen, Wertpapiersparen sowie Lebensversicherungen. Im Steigen sei allerdings auch die "Bargeldbevorratung" sowie der Kauf von Gold.

In Sachen Bankomatgebühren verwiesen die Bankenvertreter darauf, dass jeder Bankomat mit Kosten für die Errichtung, die Befüllung sowie die Versicherung verbunden sei. Diese Kosten seien durch das Kontopaket bzw. die Bankomatkartengebühr gedeckt. "Wir verdienen nichts an den Bankomaten", so Nyul. Dass Internetbanken die Infrastruktur gratis nutzen können, sieht man kritisch. "Wir wollen von den Trittbrettfahrern einen fairen Ausgleich", fordert der Spartenobmann-Stellvertreter. 233 Geräte gebe es im Burgenland, zwei davon seien kostenpflichtige Euronet-Geräte.

Zur Filialdichte erklärte Könighofer, dass Österreich "overbanked" sei. Dies betreffe auch das Burgenland. Filialschließungen und Mitarbeiterabbau könne man nicht ausschließen. Dies hänge davon ab, wie gut eine Filiale angenommen werde. Im Burgenland gibt es 233 Filialen und Bankstellen mit insgesamt 1.694 Mitarbeitern.