Erstellt am 10. Juli 2012, 11:35

Burgenland erlaubt wieder die Vertreibung der Stare. Sobald die Trauben an den Weinstöcken zu reifen beginnen, sehen sich Winzer im Burgenland Jahr für Jahr mit einem Problem konfrontiert: Stare fallen bisweilen in großer Zahl in den Weingärten ein, um sich an den süßen Früchten zu laben.

 |  NOEN, Bilderbox
Das Land erlaubt deshalb die Vertreibung der Vögel aus den Kulturen. Die Details dazu regelt die Burgenländische Stare-Vertreibungsverordnung. Sie gestattet ab heute, Dienstag, jenen Gemeinden, die dies beantragt haben, befristet bis zum 31. Oktober Abwehrmaßnahmen zu treffen.

Die Gemeinden wurden von der Agrarabteilung aufgefordert, die geplanten Aktivitäten zur Vertreibung der Stare zu melden und hatten dazu bis Ende Februar Zeit, erläuterte Manfred Cadilek aus dem Büro von Agrarlandesrat Andreas Liegenfeld.. Basierend auf den Meldungen wird dann jährlich vom Land die Verordnung erlassen. Die speziellen Maßnahmen müssen die betroffenen Kommunen dann in eigenen Verordnungen regeln.

"Die Stare kommen, da führt kein Weg vorbei", meinte Cadilek. Zur Vertreibung bedienen sich die Gemeinden und Winzer einer Vielzahl von Methoden. Zum Einsatz kommen Feldhüter, Jäger und Knallgeräte ebenso wie die als "Starfighter" bekannten Flugzeuge mit ihren waghalsigen Flugmanövern. Auch mit Schreien verletzter Tiere werden Weingärten beschallt. Ebenso kommen an einer Stange befestigte "Drachen" zum Einsatz, die bei Wind aufsteigen und einen Raubvogel imitieren sollen. Nicht durchgesetzt hat sich die vor einigen Jahren erprobte Abschreckung durch Greifvögel, die diesmal nicht beantragt worden sei.

"Bei allen Vertreibungsmethoden kann man nur eines sagen: Die Vögel gewöhnen sich daran", so Cadilek. Um eine Vertreibung der Stare durch Schüsse oder Gewehrschüsse, die von der Morgen- bis zur Abenddämmerung erlaubt ist, haben heuer 23 Gemeinden angesucht. Über den Weingärten von zehn Kommunen werden wieder die "Starfighter" ihre Kurven ziehen. Die Kosten für die Vertreibungsmaßnahmen werden von den Gemeinden unter Berücksichtigung der Weingartenflächen mit Hektarsätzen den Winzern verrechnet.

Ziel der Maßnahmen sei es, den Fraß vernünftig zu verteilen. Denn gänzlich verhindern könne man ihn nicht, erläuterte Cadilek. Die Vertreibung habe auch Schattenseiten: "Die Stare sind aktiv, sie bewegen sich, sie verbrennen Energie." Dadurch nehme auch der Hunger zu, die Tiere fressen mehr. Stare seien eigentlich Insektenfresser, die Trauben bildeten jedoch für die Vögel eine willkommene Ergänzung.

Eine sehr effektive Methode der Abwehr sei das Einnetzen der Weingärten. Dadurch soll einerseits verhindert werden, dass die Stare an die Trauben gelangen. Andererseits bestehe auch ein gewisser Hagelschutz. Der Einsatz der Netze sei für die Winzer jedoch eine Kostenfrage: Beispielsweise für Süß- bzw. Prädikatsweine wäre Einnetzen optimal, weil die Trauben lange - bis in den Spätherbst und zum Teil bis zum Frost hängen, meinte Cadilek. Für Landwirte, die früh ernten wie Trauben- oder Mostproduzenten, seien die Stare hingegen kein so großes Problem und daher die Netze nicht attraktiv.

Die Anwendung von Netzen wurde bisher subventioniert. Für die laufende EU-Finanzperiode seien die Förderungen bereits ausgeschöpft. Man werde sich wieder darum bemühen, dass es diese Möglichkeit auch ab 2013 wieder gibt. Eine Art von Vertreibung werde es auch weiterhin geben müssen, glaubt Cadilek: "Aber man wird es auf jeden Fall reduzieren können, wenn der Vernetzungsgrad sich erhöht."

Letztes Mittel, falls alle Maßnahmen nicht fruchten, wäre der - ebenfalls mittels eigener Verordnung geregelte - Abschuss "zu Vergrämungszwecken". "Es hat noch nie eine Gemeinde einen Stare-Abschuss beantragt", berichtete Cadilek.