Erstellt am 21. Oktober 2014, 12:21

von APA/Red

Geldinstitute stark belastet - Burgenlands Banken fordern "regulatorische Atempause". Burgenländische Banken fühlen sich durch die im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 entstandenen Regulierungsvorgaben stark belastet.

Burgenlands Banken fordern Atempause. Gerhard Nyul, Spartenobmann Harald Berger und Rudolf Könighofer (v.l.).  |  NOEN, Werner Müllner
"Wir wehren uns nicht gegen Regularien, wir benötigen aber eine Atempause in den Banken, um diese Regularien umzusetzen", erklärte Bank-Burgenland-Vorstandsdirektor Gerhard Nyul am Dienstag bei einer Pressekonferenz der Wirtschaftskammer in Eisenstadt.

"Regelungen führen zu höheren Kapital- und Liquiditätskosten"

Vorgaben wie Basel III, die Bankenabgabe, die geplante Finanztransaktionssteuer, Einlagensicherung und Abwicklungsfonds seien in aller Munde. Dazu kämen aufwendige Aufzeichnungs- und Meldeaktivitäten, welche die Aufsicht den Instituten abverlange.

"All diese Regelungen führen zu einer deutlichen Erhöhung der Kapital- und Liquiditätskosten für alle Banken in den Mitgliedsstaaten", sagte Nyul in seiner Funktion als stellvertretender Obmann der Banken- und Versicherungssparte in der Wirtschaftskammer.

Eine Studie im Auftrag der Wirtschaftskammer habe gezeigt, dass die österreichischen Geldinstitute davon sehr stark betroffen seien. "Man schätzt die Belastung mit 10 bis 20 Prozent höher als bei anderen europäischen Banken."

Preiserhöhungen und Kosten-Weitergabe an Kunden

Österreichischen Banken hätten sehr niedriges Kreditzinsen und sehr niedrige Margen im Vergleich zu den höchsten Abgaben- und Verwaltungskosten. "Das ist für die Banken auf Dauer nur schwer durchzuhalten. Die Banken müssen darauf reagieren", so Nyul. Dies geschehe durch Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und Sparprogramme: "Das geht aber nur teilweise. Der nächste Schritt wird sein, dass es zu Preiserhöhungen und zur Weitergabe dieser Kosten an die Kunden kommt."

Statt Kreditklemme sollte es besser heißen: "Die Kreditgeber in der Klemme der Regularien", meinte Nyul. Gefordert werde eine Evaluierung der bestehenden Regelungen. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, müsse die Bankenabgabe gänzlich überdacht werden.

Bankstellen-Schließungen sind denkbar

Es sei nicht auszuschließen, dass Bankstellen geschlossen werden, erklärte Raiffeisen-Landesbank-Generaldirektor und Spartenobmann-Stellvertreter Rudolf Könighofer: "Das Bild ist, dass wir um jede Bankstelle kämpfen."

Entscheiden, ob eine Bankstelle bleibt, würden immer "der Markt und der Kunde." Er glaube nicht an ein großflächiges Zusperren. Der Umbau in den Bankstellen hin zu Selbstbedienung und Electronic Banking sei voll im Gange. Wenn dies gelinge, werde es die Bankfiliale als "das Hauptvertriebsmodell" weiter geben.

Ungarn bleibt ein hartes Pflaster für die österreichischen Geldinstitute. "Es ist nicht einfach, gerne am ungarischen Bankenmarkt Bankgeschäfte zu machen in den letzten Jahren", sagte Könighofer. Das Ziel der Regierung Orban, wieder mehr als 50 Prozent des Bankenbereichs in Ungarn in staatliche Hand zu bringen, sei mittlerweile erreicht. "Damit ist das Umfeld gut beschrieben."

Im Burgenland sind 43 Finanzinstitute mit 238 Bankstellen vertreten. Sie beschäftigen 1.743 Mitarbeiter, erläuterte Spartenobmann Harald Berger. Auf 100.000 Einwohner kommen 83 Bankstellen, österreichweit liege der Durchschnitt bei 64.