Erstellt am 09. Juni 2011, 18:07

Deutscher Atomausstieg kostet Österreich Millionen. Die vorzeitige Schließung seiner Atomkraftwerke dürfte Deutschland etwa sechs Mrd. Euro pro Jahr kosten, die zusätzlichen Abschreibungen betragen 70 Mrd. Euro. Auch für Österreich hat der Atomausstieg Deutschlands langfristige Folgen.

Die vorzeitige Schließung seiner Atomkraftwerke dürfte Deutschland etwa sechs Mrd. Euro pro Jahr kosten, die zusätzlichen Abschreibungen betragen 70 Mrd. Euro. Auch für Österreich hat der Atomausstieg Deutschlands langfristige Folgen. Laut Walter Boltz, Chef der Regulierungsbehörde E-Control, könnten die Kosten für Österreichs Volkswirtschaft etwa 600 Mio. Euro pro Jahr betragen.

"Das Problem ist nicht der Ausstieg an sich, sondern dass das ein Hüftschuss ist und die Sache ein paar Monate mehr Vorbereitung vertragen hätte", sagte Boltz. "Faktum ist, wir werden alle mitzahlen."

Für die heimischen Kraftwerksbetreiber sei der deutsche Atomausstieg aber auch eine Chance, weil die Großhandelspreise dadurch um 10 Euro je MWh steigen dürften. "Der Verbund lässt die Sektkorken knallen, weil bei gleichen Kosten die Erlöse steigen." Bestehende Wasserkraftbetreiber könnten ihre Profite um ein Fünftel steigern. Gleichzeitig sinke der Förderbedarf für Erneuerbare um 10 Euro je MWh. Für Kleinwasserkraft könnte das bedeuten, dass sie ohne Förderungen auskommen könnte.

Österreich könnte zum Nettoexporteur von Strom werden, glaubt man in der E-Control. "Wir haben rein technisch massig Kapazität für den Export." Mit den aktuellen Kraftwerken könnte man ca. 10 TWh Strom mehr produzieren. Der Importbedarf beträgt etwa 3 TWh.

Die Kehrseite der Medaille sei natürlich, dass die heimischen CO2-Emissionen durch Gaskraftwerke um rund 6 Mio. Tonnen pro Jahr steigen könnten. Die stärkere Auslastung der Gaskraftwerke sowie der Zubau von beispielsweise 3 GW könnten einen Zusatzbedarf von etwa 3 Mrd. m3 Gas bedeuten.

Der größte deutsche Energiekonzern E.ON wird unterdessen seine Atomkraftwerke Isar I und Unterweser nach Ende des Moratoriums kommende Woche nicht wieder anfahren. Auch ohne ausdrückliche Verfügung werde man die Anlagen nicht wieder in Betrieb nehmen, kündigte E.ON als erster Atomkonzern am Donnerstag an.