Erstellt am 08. Januar 2011, 12:31

Dezember-Frost setzte burgenländischen Weinkulturen zu. Im Burgenland bereitet der frühe Dezemberfrost nachträglich den Winzern in der Seewinkelregion Sorgen.

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Denn Temperaturen bis zu mehr als 20 Grad unter Null haben mancherorts den Weinreben zugesetzt. Vorerst dürften die Schäden örtlich sowie auf die Knospen an den Reben, die sogenannten Augen, beschränkt sein, hieß es von der Landwirtschaftskammer. Auch bestehe die Hoffnung, dass zumindest ein Teil durch Maßnahmen beim Rebschnitt ausgeglichen werden kann.

Betroffen seien Riede etwa in Gols, Mönchhof, Podersdorf, Illmitz sowie in Apetlon und Pamhagen. Das Ausmaß der Schäden sei aber örtlich sehr unterschiedlich. Genaues ließe sich noch nicht sagen, so Anton Palkowitsch, Weinbauberater im Bezirk Neusiedl am See. So hätten ihm Weinbauern berichtet, dass von zwei nebeneinander angebauten Sorten die eine den Frost überstanden habe, die andere jedoch Augenschäden aufweise.

"Es muss sich jeder wirklich jetzt ein Bild machen von seinen Weingärten, wie es ausschaut", so Palkowitsch. Bei Augenschädigungen bis zu 30 Prozent sei es eventuell noch möglich, das Schadensausmaß mit dem Rebschnitt noch ein wenig zu kompensieren. Bei schwereren Schäden müsse man den Stock wieder frisch von unten aufbauen. Das dauere zumindest ein Jahr. Man hoffe derzeit, dass dies nicht der Fall sein werde, meinte Palkowitsch.

Mit derart tiefen Temperaturen Anfang Dezember habe man nicht gerechnet. Die größte Kälte gebe es eher meist in der letzten Jänner- und ersten Februarwoche. Wenn dann das Wetter umschlage und der Vollmond bevorstehe, werde es normalerweise bitterkalt. Nun hoffe man, dass nicht auch noch Ende Jänner eine Kältewelle auftritt.

Ein Problem beim jüngsten Frost sei gewesen, dass die Reben mit Raureif überzogen waren, so Palkowitsch. Schneidet man ein Auge quer durch, findet man die kommenden Triebe in einem Frühstadium. Ist der Austrieb fürs Frühjahr geschädigt, dann gibt es keine grünen Triebe in diesem Jahr. "Das ist halt jetzt das große Dilemma", meinte Palkowitsch, der selbst Weinbauer ist. Bei seinen Kulturen von Muskateller und Chardonnay in Gols gebe es etwa an die 50 Prozent Augenschäden, die man aber vielleicht noch mit dem Rebschnitt kompensieren könne, schätzte er.

Ist das Auge braun, ist es geschädigt, zeigt es sich schwarz, dann ist es abgestorben. Um Schäden festzustellen, könne man Triebe auch nach Hause mitnehmen und in Wasser geben. Dann sollte man schauen, wie viele Augen pro Trieb Wachstum zeigen. Erst dann lasse sich Aufschluss gewinnen über das tatsächliche Ausmaß. Sie seien derzeit von außen auch nicht sichtbar, wenn man in einen Weingarten hineinschaut, so Palkowitsch.

Kritisch für die Weinkulturen könnte es nach Einschätzung des Weinbauberaters nochmals Ende Jänner, Anfang Februar werden. Sollte das Thermometer dann erneut Temperaturen von Minus 20 Grad zeigen, könnte es zu schwereren Schäden kommen. In Vergangenheit habe es auch schon extreme Fälle gegeben, in denen der Stamm des Rebstockes komplett aufgebrochen sei.
(Schluss) hcg/mk