Erstellt am 28. September 2011, 12:23

Drei Jahre Haft bei Fahrerflucht. Wer nach einem Verkehrsunfall Verletzte im Stich lässt und Fahrerflucht begeht, dem drohen je nach Unfallfolge bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe. Darauf hat ÖAMTC-Chefjurist Andreas Achrainer nach dem schweren Unfall im Bezirk Hartberg hingewiesen, bei dem am Dienstag drei Jugendliche - einer davon lebensgefährlich - verletzt worden sind.

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2010 haben sich 1.768 Unfälle mit Fahrerflucht ereignet, bei denen drei Menschen getötet wurden.

Das Verhalten eines fahrerflüchtigen Lenkers führt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger auf die enorme Stresssituation zurück. "Manche geraten in Panik und reagieren mit Verdrängung, Verleugnung und flüchten. Andere treffen die Entscheidung rational. Sie fürchten strafrechtliche oder persönliche Konsequenzen. In beiden Fällen sieht der Kraftfahrer in der Flucht den einzigen Ausweg."

Ausgelöst werde die Reaktion durch die Bedrohung, die der Betroffene in dem Moment wahrnimmt. "Viele fürchten Unannehmlichkeiten und negative Konsequenzen - vonseiten des Arbeitgebers, des Partners, von Eltern und Freunden oder vom Fahrzeughalter, wenn man mit einem geliehenen Fahrzeug unterwegs war", erklärte die Verkehrspsychologin. Häufig sei aber auch das Verdecken von anderen Straftaten, etwa dem Fahren unter Alkoholeinfluss, Ursache für die Flucht.

2010 gab es 1.768 Unfälle, bei denen der Unfalllenker die Verletzten im Stich ließ, die meisten davon ereigneten sich in Wien (324), gefolgt von der Steiermark (319), Oberösterreich (277), Niederösterreich (254), Tirol (179), Kärnten (158), Salzburg (155), Vorarlberg (75) und dem Burgenland (27). 2.017 Menschen wurden verletzt.

"Prinzipiell ist jeder Mensch zu Erster Hilfe verpflichtet", erklärte Achrainer. Fahrerflüchtigen Lenkern drohen neben der Freiheitsstrafe auch hohe Geldstrafen und der Entzug der Lenkberechtigung. Die Haftpflichtversicherung kann das an den Geschädigten ausbezahlte Geld vom fahrerflüchtigen Lenker zurückfordern.