Erstellt am 10. Juni 2013, 13:51

E-Control - Stromnetz-Investitionen von 8,7 Mrd. Euro bis 2020. In Österreichs Stromnetze sind bis 2020 rund 8,7 Mrd. Euro Investitionen geplant, so die Regulierungsbehörde E-Control.

 |  NOEN, Erwin Wodicka - wodicka@aon.at (Erwin Wodicka)
Für die Finanzierung sind auch Kooperationen zwischen den einzelnen Netzbetreibern sowie neue Finanzierungsformen wie Fonds oder Bürgeranleihen und auch die Einbindung der Europäischen Investitionsbank (EIB) vorstellbar. Wichtig sei, dass es zu keiner "überbordenden" Belastung für die Verbraucher komme, betonte E-Control-Vorstand Martin Graf heute, Montag, vor Journalisten. Dazu könne eine kostengünstige Finanzierung beitragen.

Die Stromnetzkosten werden von der E-Control genehmigt und schlagen sich auf der Stromrechnung eines Haushaltes mit etwa einem Drittel nieder, der Rest entfällt auf den reinen Energiepreis sowie Steuern und Abgaben. Die Netztarife werden von der E-Control genehmigt und berücksichtigen Investitionen ins Stromnetz.

Die nach den jüngsten Hochwasserschäden erforderlichen Investitionen würden von der E-Control in den Netzkosten anerkannt und in den Netztarifen abgegolten, so Graf. In Salzburg beispielsweise würden wohl Investitionen notwendig sein.

Das veranschlagte Investitionsvolumen von 8,7 Mrd. Euro bis 2020 ist höher als in den vergangenen zehn Jahren, in denen pro Jahr 500 bis 600 Mio. Euro investiert wurden. Graf wies bei diesem Anstieg auf drei Aspekte hin: Die Einbindung der Erneuerbaren Energien, die Einführung der "intelligenten" Stromzähler (Smart Meter) und Investitionen in die Übertragungsnetze.

Investiert werden muss auf Verteilnetzebenen unter anderem etwa in Netzinfrastruktur zur Anbindung der Windräder in Niederösterreich, etwa im Weinviertel oder im Brucker Becken.

Nötig seien für die Investitionen kostengünstige Finanzierungsmodelle und raschere Genehmigungsverfahren. In Deutschland werde sehr viel mehr über die Finanzierung diskutiert - von Fonds bis hin zu Bürgeranleihen, und auch die EIB finanziere Infrastrukturprojekte. Die Konsumenten profitierten von günstigeren Finanzierungen, und vorgezogenen Investitionen trügen auch zur Konjunkturstimulierung bei, betonte Graf bei einem Pressegespräch im Vorfeld einer heute Nachmittag stattfindenden Enquete zum Thema Energieinfrastrukturfinanzierung. Der Anteil der heimischen Wertschöpfung betrage bei manchen Projekten 50 bis 80 Prozent. Ziel sei eine kostengünstige Finanzierung über den Tellerrand hinaus.

Kooperationen gebe es in Deutschland beispielsweise beim Netzbetreiber Tennet für Offshore-Anlagen mit dem japanischen Mitsubishi-Konzern. Als Beispiel für Österreich nannte Graf, dass angesichts des Windkraftausbaus im Osten Österreichs Energie Burgenland, EVN, Wien Energie und APG die Volumina in einer Projektgesellschaft bündeln könnten, inklusive EIB-Finanzierung.

Die gesamten Netzkosten liegen in Österreich bei rund 1,6 Mrd. Euro im Jahr, vor zehn Jahren seien es noch 2,1 Mrd. Euro gewesen. Ein durchschnittlicher Haushalt zahle für das Netz nun rund 80 Euro weniger als 2002. Insgesamt betrügen die Liberalisierungseffekte 10 Mrd. Euro. Der Stromverbrauch steige, ausgenommen die Krisenjahre 2008/2009.

In die Verteilnetze dürften rund 4 Mrd. Euro investiert werden, wie beispielsweise Erneuerungen, Mess- und Steuersysteme im Zusammenhang mit "intelligenten" Netzen (Smart Grids) oder Netzerweiterungen. Für die Einbindung der Erneuerbaren Energien ist bei den Verteilnetzen eine weitere Milliarde veranschlagt. Auf ebenfalls rund 1 Milliarde Euro dürfte die Smart-Meter-Einführung kommen. Windkraftbetreiber müssen sich in Österreich an Netzinvestitionen beteiligen, aktuell sind es 135.000 Euro pro Megawatt (MW), 2002/2003 waren es 100.000 Euro pro MW.

Die Investitionen in die Übertragungsnetze werden mit rund 2,7 Mrd. Euro erwartet, darin enthalten ist auch der Lückenschluss des 380-kV-Rings, die sogenannte Salzburg-Leitung. Die großen Übertragungsleitungen seien immer mehr internationalen Lastflüssen ausgesetzt, an einem sonnigen, windigen Tag etwa kann vermehrt Strom aus Deutschland in die österreichischen Netze kommen. Zu den Investitionen in das Übertragungsnetz zählen unter anderem die 380-kV-Leitung von St. Peter nach Simbach zur Staatsgrenze, eine 220-kV-Leitung von Lienz nach Italien und Investitionen in Kärnten und Tirol.

Der Investitionsbedarf für die österreichischen Gasnetze dürfte 2020 bei rund 500 Mio. Euro liegen.

Insgesamt wird der Investitionsbedarf im EU-Energiebereich zwischen 2010 und 2020 auf rund 1 Billion Euro geschätzt. Davon entfallen rund 500 Mrd. Euro auf die Erzeugung und davon rund 310 bis 370 Mrd. Euro auf Erneuerbare Energien. In die Netze dürften rund 600 Mrd. Euro investierte werden, davon rund 400 Mrd. Euro in Übertragungsnetze.

Energieeffizienz sei ein Gebot der Stunde, betonte Graf. Beim Energieeffizienzgesetz - die entsprechenden EU-Vorgaben müssen bis Sommer 2014 umgesetzt sein - gebe es im Herbst die Möglichkeit, die Diskussion neu zu führen. Graf sprach sich für eine gesamtheitliche Betrachtung inklusive Verkehr und Wärme aus.