Erstellt am 16. Dezember 2015, 03:28

ELGA: Krankenakte digital. Start für die „Elektronische Gesundheitsakte“ in manchen Spitälern – im Burgenland soll es frühestens in einem Jahr soweit sein.

 |  NOEN, Erwin Wodicka - wodicka@aon.at
Nach jahrelangen Vorbereitungen und endlosen Diskussionen war es vor Kurzem soweit: ELGA, die Elektronische Gesundheitsakte, wurde in einigen Spitälern Wiens und der Steiermark eingeführt. In den burgenländischen Krankenhäusern soll das System frühestens Ende 2016 in Betrieb gehen, heißt es aus dem Büro von Gesundheitslandesrat Norbert Darabos (SPÖ).

Leichter Optimismus trotz einiger Bedenken

Dem kürzlich erfolgten ELGA-Start steht Darabos „vorsichtig positiv gegenüber“. Er erwartet sich „…sowohl für Patienten als auch für Mediziner wesentliche Vorteile hinsichtlich einer effizienteren Behandlung“. Man müsse aber abwarten, ob der Start reibungslos funktioniere und die versprochene Datensicherheit gewährleistet sei, so Darabos weiter.

Diese Bedenken teilt auch Michael Lang, Präsident der Burgenländischen Ärztekammer: „Ein gut funktionierendes, rasches System im Gesundheitsbereich wäre natürlich begrüßenswert. Aber abgesehen vom keineswegs tadellosen Datenschutz ist aus unserer Sicht ELGA auch nicht benutzerfreundlich und es könnte für Ärzte eine zeitliche Zusatzbelastung bedeuten.“ Die ELGA-Betreiber betonen, dass beim Abruf höchste Sicherheitsstandards angewendet werden.

Mitte 2016 freiwilliger Start im Land möglich

Ab Mitte des kommenden Jahres können dann niedergelassene Ärzte freiwillig mit ELGA arbeiten, ab Mitte 2017 wird es für sie verpflichtend. Offen ist für Präsident Lang in diesem Zusammenhang die Frage, welche konkreten finanziellen Zusatzbelastungen auf die niedergelassenen Ärzte zukommen und inwieweit sie von öffentlicher Hand unterstützt werden.

Burgenländer, die keine elektronische Gesundheitsakte von sich angelegt haben möchten, können sich abmelden und zwar über das ELGA-Portal unter www.gesundheit.gv.at oder schriftlich bei der ELGA-Widerspruchsstelle. Bisher haben sich österreichweit 225.000 Personen abgemeldet.
Über das Gesundheitsportal können Bürger auch ihre eigenen Gesundheitsdaten einsehen und Zugriffsrechte verwalten.


Was bringt ELGA?

Patienten können ihre eigenen Befunde und ihre Medikamentenübersicht via Internet zeit- und ortsunabhängig abrufen. Die Vernetzung der Daten soll zu einem besseren Informationsfluss zwischen den Gesundheitsdienstanbietern führen. Schlüssel zu den Daten ist die E-Card.

Kann ich auf ELGA zugreifen?

Die eigenen Gesundheitsdaten sind über das ELGA-Gesundheitsportal (www.gesundheit.gv.at) abrufbar. Für den Einstieg ist die Handy-Signatur bzw. die Bürgerkarte notwendig.

Wer hat noch Zugriff?

ELGA-Daten eines Patienten sind ausschließlich jenem Arzt zugänglich, bei dem er aktuell in Behandlung ist. Behörden, Versicherungen oder Betriebsärzte haben keinen Zugriff. Bei Missbrauch drohen Strafen.

Was kostet ELGA?

Die Patienten müssen für ELGA nicht zusätzlich zahlen. Bund, Länder und Sozialversicherung stecken bis inklusive 2017 130 Millionen Euro in das System. Ab 2018 werden die laufenden Kosten pro Jahr rund 18 Millionen betragen. Gleichzeitig erwartet man sich ab 2017 eine Kostenreduzierung von 129 Millionen pro Jahr (durch die Vermeidung von Doppelbefunden etc.).