Erstellt am 05. Juli 2012, 09:27

Energiewende nicht zum Nulltarif möglich. Für die Energiewende in Europa spielen nach Ansicht von E-Control-Vorstand Martin Graf mehr Energieeffizienz und ein neues Marktdesign, das derzeit in Diskussion ist, eine zentrale Rolle.

Energieeffizienz sei der Schlüssel zum Erreichen der europäischen Energie- und Klimaziele bis 2020, sagte E-Control-Vorstand Martin Graf im APA-Gepräch. Die Energiewende werde es aber nicht zum Nulltarif geben.

Klar sei, dass Kosten verursacht werden. Auf konkrete Zahlen, um wie viel der Strom teurer werden könnte, wollte sich Graf nicht festlegen. Im Netzbereich könne man mit Erhöhungen rechnen, die Energiepreise hingen von sehr vielen Parametern ab. Wichtig seien daher die Koordinierung auf europäischer Ebene und welches Marktdesign in Europa letztendlich zur Anwendung komme. Von großer Bedeutung sei eine Energiewende "in einem Guss".

Der künftige Energiemarkt in Europa werde eine neue Dimension haben, mit geänderten Lastflüssen und geänderten Standorten. Und auch der Verbraucher werde stärker eingebunden, etwa über "intelligente" Stromzähler (Smart Meter). Mehr Kommunikation werde nötig sein. Graf erwartet angesichts höherer Datenvolumina auch eine stärkere Verzahnung von Energie und Telekom.

Gerade am Beginn müsse aber Geld für Investitionen in die Hand genommen werden. In Österreich würden bis 2020 allein in die Stromnetze in Summe 8 Mrd. Euro investiert. Davon entfielen rund 2 Mrd. Euro auf die Übertragungsnetze, 1 Milliarde auf die Integration erneuerbarer Energien, 1 Milliarde Euro auf die Smart-Meter-Einführung sowie jährlich rund 500 Mio. Euro auf die - auch bisher getätigten - Erweiterungen und Revitalisierungen im Verteilnetz.

Bei der Umsetzung der EU-Vorgaben zur Energieeffizienz sieht Graf hierzulande ein heterogenes Bild. Die Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz müssten in Österreich verpflichtend und bundesweit einheitlich sein und Sanktionsmechanismen eingeführt werden, betonte E-Control-Vorstand Martin Graf. Der neuen EU-Energieeffizienz-Richtlinie zufolge müssen die Energieversorger sicherstellen, dass pro Jahr 1,5 Prozent des Energieabsatzes ihrer Kunden eingespart werden müssen. Bis zum Jahr 2020 soll es somit zu einer Erhöhung der Energieeffizienz um 20 Prozent kommen.