Erstellt am 01. Dezember 2010, 00:00

Erst zu wenig, dann zu viel. HANDEL / Angestellte werden, wenn zu wenig Arbeit ist, einfach nach Hause geschickt. „Geht nicht“, sagt die Arbeiterkammer. „Geht doch“, sagt die Wirtschaftskammer.

VON DORIS SEEBACHER

Momentan häufen sich bei der Arbeiterkammer (AK) Burgenland Beschwerden zum Thema Arbeitszeit. „Chefs, die derzeit nicht genügend Arbeit für ihre Angestellten haben, schicken diese einfach nach Hause“, heißt es von Seiten der AK, die wöchentlich Dutzende von Anfragen und Beschwerden aus allen Bezirken dazu annimmt. Die Freude über zusätzliche Stunden Freizeit währt bei den Arbeitnehmern jedoch nur kurz. Denn am Monatsende werden ihnen dann die tatsächlichen Minusstunden präsentiert – mit der Auflage, diese wieder einzuarbeiten.

Das könnte besonders jetzt in der Vorweihnachtszeit zum Problem werden. Vor allem in Supermärkten und im Handel, aber auch in der Gastronomie sei die Lage laut AK momentan prekär. „Unternehmen dürfen ihr wirtschaftliches Risiko nicht auf die Arbeitnehmer abwälzen“, so die AK Burgenland. Wenn es also „keine“ Arbeit gibt und Arbeitnehmer nach Hause geschickt werden, dann seien diese Stunden zu bezahlen.

„Arbeitszeit-Durchrechnung  auch im Handel möglich“

Josef Stiglitz, Arbeitsrechts-Experte der Wirtschaftskammer (WK) Burgenland, sieht das jedoch anders. „Im Handelskollektivvertrag gibt es die Möglichkeit einer Durchrechnung der Arbeitszeit“, so Stiglitz. Durch Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer kann die Arbeitszeit in einem Durchrechnungszeitraum von 26 Wochen bis auf 44 Stunden pro Woche ausgedehnt werden, wenn im gesamten Zeitraum im Durchschnitt 38,5 Stunden nicht überschritten werden. Erst Stunden, die über diesen 44 Stunden liegen, müsste dann jedoch als Überstunde ausbezahlt werden, so Stiglitz.

Wirtschaftskamme-Appell  an die Arbeiterkammer

Die Wirtschaftskammer müsse in diesem Zusammenhang immer wieder feststellen, dass die Anschuldigungen der AK nie konkret seien. „Für konkrete Anliegen stehen wir gerne zur Verfügung, aber diese allgemeinen Beschuldigungen tun dem Arbeitsklima in den Betrieben nicht gut.“ Man solle lieber versuchen, Ungerechtigkeiten gemeinsam in Betrieben zu regeln und nicht mit Skandalmeldungen die Leute verunsichern, so Stiglitz.