Erstellt am 28. Oktober 2011, 10:33

Erste machte 1,49 Milliarden Euro Verlust. Die Erste Bank hat im dritten Quartal 2011 einen Verlust von 1,49 Milliarden Euro verbucht. Schuld daran sind laut der Bank hohe Abschreibungen auf Ost-Banken, Staatspapiere und Credit Default Swap-Abwertungen.

Erste-Chef Treichl, gegen den seit einigen Tagen die Finanzmarktaufsicht ermittelt, verteidigte sich unterdessen gegen den Verdacht der Marktmanipulation.

Nach neun Monaten lag der Nettoverlust der Bank bei 973 Millionen Euro. Die Vergleichsdaten für 2010 korrigierte die Erste Group rückwirkend, weil Credit Default Swaps nicht mehr länger als Garantien bewertet werden konnten, sondern als Derivate und damit zum Marktwert verbucht werden mussten. Damit wurden die vorjährigen Gewinne rückwirkend geringer.

Treichl schätzte den Kapitalbedarf der Erste Group auf bis zu 750 Millionen Euro, um die von der europäischen Aufsicht bis Juni 2012 neu vorgegebenen Zielquoten beim harten Kernkapital (neun Prozent) zu erfüllen. Treichl gab diese Prognose bei einer Analystenkonferenz in London ab. Er berichtete zudem, dass das gesamte Portfolio an Credit Default Swaps (CDS) bis Ende des Jahres zurückgefahren sein wird.

Treichl nannte mehrere Möglichkeiten, wie die Kapitalquoten seiner Gruppe gestärkt werden könnten: Eine Option wäre es, den Haftungsverbund mit den Sparkassen beizubehalten, die Sparkassen aber dennoch zu dekonsolidieren. Weil damit unterlegungspflichtige risikogewichtete Aktiven zurückgehen würden, wären damit schon 0,4 Prozentpunkte beim Kapital gewonnen, rechnet die Erste. Durch den Verkauf eines milliardenschweren CDS-Pakets in den vergangenen drei Wochen seien ebenfalls schon Risiken reduziert worden.

Weil Treichl am 29. September in einem Reuters-Interview erklärt hatte, die Bank halte an ihrer Gewinnprognose für 2011 fest - und knapp zwei Wochen später eine Verlustwarnung über 800 Millionen Euro machen musste, ermittelt seit einigen Tagen die Finanzmarktaufsicht wegen des Verdachts der Marktmanipulation und Verletzung der Ad-hoc-Pflicht. Treichl verteidigte sich am Freitag in seinem Aktionärsbrief zum Neunmonatsergebnis gegen die Vorwürfe. Er sprach von "Unklarheit", die es in dem Zusammenhang in Österreich gegeben habe. In den Medien sei berichtet worden, "ich hätte für Ende September ein - tatsächlich nicht existierendes - Gewinnziel bestätigt, obwohl jeder, der die Erste Group genauer beobachtet, weiß, dass wir schon seit mehr als drei Jahren keine Gewinnprognosen gemacht haben."

Stattdessen, so der Erste-Chef, veröffentlichte die Erste Group einen Ausblick auf das operative Ergebnis. Treichl: "Während mein Hinweis auf ein starkes Betriebsergebnis im ursprünglichen, deutschsprachigen Bericht von Reuters sehr wohl enthalten war, war dies bei darauf folgenden Medienberichten offenbar nicht mehr der Fall. "Das ist meiner Ansicht nach äußerst bedauerlich", schreibt Treichl seinen Aktionären, "allerdings auch nicht verhinderbar".