Erstellt am 16. August 2012, 13:23

Erstmals über 100.000 Jobs im Burgenland. Im Juli kam man auf eine Zahl von exakt 101.078 Beschäftigte. Landeshauptmann Hans Niessl spricht von einem Beschäftigungszuwachs um 113,7 Prozent seit 1970.

Das Burgenland hat erstmals die Marke von 100.000 Jobs überschritten. "Exakt sind es im Juli 101.078 Beschäftigte", sagte Landeshauptmann Hans Niessl (S) am Donnerstag vor Journalisten in Eisenstadt. Ursprünglich sei dies für Ende der Phasing Out Periode 2013 geplant gewesen. "Wir konnten trotz der Wirtschaftskrise dieses Ziel praktisch ein Jahr früher erreichen", erklärte der Landeshauptmann. Ziel sei es nun, bis 2020 zumindest 110.000 Arbeitsplätze zu haben.

Von 1970 bis 2011 sei die Beschäftigung im Burgenland um 113,7 Prozent gestiegen. Der Österreich-Schnitt liege hingegen bei 43 Prozent, erläuterte Niessl. Im Juli 1950 lag die Zahl der unselbstständig Beschäftigten im Burgenland bei knapp 33.000, im Jahr 2000 waren es bereits an die 84.000. Seither habe die Zahl der Beschäftigten um weitere 16.000 zugenommen.

Erreicht worden seien diese Arbeitsmarktdaten durch einen Strukturwandel mit Hilfe von Förderungen durch die EU und den Bund. Das Burgenland stehe auf einem guten finanziellen Fundament, sagte Niessl. Seit 1995 habe das Land, den Zeitraum bis 2013 mit eingerechnet, über 400 Mio. Euro aufgebracht, um die Phasing Out-Förderungen der EU und die Subventionen des Bundes auslösen zu können.

In der Wirtschaftspolitik habe man in der Landesregierung seit 2000 "an einem Strang gezogen", sagte Landeshauptmannstellvertreter Franz Steindl (V). Das Burgenland habe bisher alle EU-Förderungen ausgeschöpft und von den Subventionen sehr profitiert. 1995 beim EU-Betritt lag der Export der burgenländischen Wirtschaft bei 763 Mio. Euro,  2010 seien es bereits 1,7 Mrd. Euro gewesen. In Zukunft sei es notwendig, verstärkt in Forschung und Entwicklung zu investieren.

Arbeiterkammerpräsident Alfred Schreiner sprach angesichts der Beschäftigungszahlen von einem "hervorragenden Tag" aus Sicht der Arbeitnehmer. Es gebe aber auch Schattenseiten: In den vergangenen eineinhalb Jahren sei im Burgenland und österreichweit die Arbeitslosigkeit gestiegen, obwohl es mehr Beschäftigte gebe. Sorge mache ihm, dass ältere Arbeitnehmer gekündigt und durch jüngere, teilweise billigere Arbeitskräfte ersetzt würden. Schreiner sprach sich deshalb für ein Bonus-Malus-System aus, das Betriebe belohne, die überdurchschnittlich viele ältere Arbeitnehmer beschäftigen.

Mit der Zahl der Beschäftigten sei auch jene der Betriebe auf mittlerweile 16.100 gestiegen, so Wirtschaftskammerpräsident Peter Nemeth. Wenn man vom Wohlstandsniveau ausgehe, habe das Burgenland noch "Luft nach oben" und erreiche zwei Drittel des Österreich-Durchschnitts. Mit den Ziel-1-Förderungen habe man wirklich in neue Strukturen investiert. Burgenland habe sich "von einem reinen Gemüse- und Weingartenland" beinahe zu einem "High-Tech-Land" entwickelt.

Kritik an der Bilanz kam von den Freiheitlichen: Aus Sicht der Arbeitnehmer sei der Jubel nicht zu teilen, erklärte Klubobmann Johann Tschürtz in einer Aussendung. Inländer würden von der Entwicklung "kaum bis gar nicht" profitieren. "Im Burgenland haben heute weniger Inländer einen Arbeitsplatz als noch vor zwei Jahren. Die Quote der im Land beschäftigten Ausländer ist hingegen um 26 Prozent gestiegen, die Arbeitslosigkeit hat insgesamt um über sieben Prozent zugenommen", so Tschürtz, der sich erneut für eine Rücknahme der Arbeitsmarktöffnung aussprach.