Erstellt am 19. Februar 2013, 11:35

Es geht um die Wurst. Der Pferdefleisch-Skandal beflügelt heimische Betriebe: Regionalität wird jetzt wieder groß geschrieben. Im Burgenland gibt es Pferd übrigens nur auf Bestellung.

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Reaktionen
„Wir schlachten unsere Tiere selbst oder kaufen unsere Produkte von Bauern aus der Region ein. Auch der Konsument weiß immer, von wem das Fleisch kommt.“
Thomas Hatwagner,
Fleischer im Südburgenland


„Auch wenn das bei uns kleineren Betrieben nicht passieren kann, schaden solche Skandale dem Ruf der Fleischer – zumal wir sowieso von den Handelsketten verdrängt werden und am Aussterben sind.“
Fleischermeister Werner Graf,
Leithaprodersdorf


„Im Grunde ist das positiv für uns. Denn bei den Fleischern im Burgenland ist jedes Stück dokumentiert und nachvollziehbar. Die Kunden haben deshalb Vertrauen zu ihren Fleischern.“
Innungsmeister Franz Wallner,
Pöttsching


„Über den Betrug am Kunden sind wir geschockt. Bei uns wäre so etwas nicht möglich, weil wir wissen, wo alles herkommt. Wir sind da sehr pingelig.“
Andrea Milletich,
Fleischerin in Oberpulendorf

 
Etwas süßlich schmeckt es und ein bisschen wie Wild, sagen jene, die Pferdefleisch nicht in Form von Leberkäse, sondern als Naturschnitzel probiert haben. Im Burgenland ist es auf Bestellung erhältlich und für manche sogar eine Delikatesse. Die Aufregung ist dennoch groß, seit auch in österreichischen Supermärkten Fertigprodukte mit nicht-ausgewiesenem Pferdefleisch entdeckt wurden.

„Der Skandal ist für uns etwas Positives“

Wenn vom gesundheitlichen Standpunkt her eher „wurscht“, so ist es der Betrug am Kunden, der aufregt, meint auch Landwirtschaftskammer-Direktor Otto Prieler. In der Debatte sieht er aber die besten Argumente auf Seiten der Bauern, die auch hierzulande „mit Billigstanbietern konkurrieren müssen“.

Agrarlandesrat Andreas Liegenfeld fühlt sich ebenfalls bestätigt: „Der Pferdefleisch-Skandal zeigt wieder auf, dass die Globalisierung von Nahrungsmitteln ein Irrweg ist. ,Herkunft hat Zukunft’ heißt deshalb eine unserer Kampagnen.“ Die Herkunft wird im Burgenland streng geprüft, nicht nur von zwei Abteilungen des Landes, sondern auch von den Amtstierärzten. Und diese Transparenz sorge geradezu für ein Vertrauensverhältnis zwischen dem Kunden und „seinem“ Fleischer, ist sich Innungsmeister Franz Wallner sicher.

Dem aktuellen Skandal, kann er deshalb positive Seiten abgewinnen: „Ein regionaler Betrieb kommt mit schlechtem Fleisch gar nicht in Berührung. Das wissen auch die Kunden.“ Engpässe in der regionalen Produktionskette kann es zwar geben – zu Weihnachten oder in der Grillsaison –, zurückverfolgen könne man aber dennoch „jedes einzelne Stück“.

Für den Einkauf im Supermarkt gibt es von den Fleisch-Experten übrigens einen einstimmigen Tipp: Nur das AMA-Gütesiegel garantiert, dass das jeweilige Tier „ein echter Österreicher“ ist.


Apropos Fleisch: Wussten Sie, dass …
  • ein Tier nicht für den Konsum weiterverarbeitet werden darf, wenn es „von selbst stirbt“?
  • nur rund 20 Prozent der burgenländischen Fleischer und weniger als 20 Landwirte selbst Schlachtungen durchführen?
  • es im Burgenland zwei große Schlachthöfe (in Zemendorf und Ollersdorf) gibt?
  • die Schlachtung von Tieren nur in zertifizierten Schlachträumen erlaubt ist und ein „Sautanz“ ausschließlich für den Hausgebrauch abgehalten werden darf?
  • nur „amtlich befähigte Organe“ Schlachtungen durchführen dürfen?
  • die Schlachthöfe und Fleischproduzenten sowohl von der Veterinärabteilung als auch von der Lebensmittelaufsicht kontrolliert werden?
  • nur das AMA-Gütesiegel (ebenso wie die Regional-Auszeichnung der Fleischer) garantiert, dass ein Tier in Österreich geboren, gefüttert und geschlachtet wurde?
  • das Genusstauglichkeits-Gütesiegel lediglich gewährleistet, dass das jeweilige Produkt in Österreich geprüft wurde?
  • Pferdefleisch mitunter als wahre Delikatesse angesehen und in bevorzugter Form als Leberkäse verzehrt wird?
  • an einer gesetzlichen Regelung gearbeitet wird, um in der Schweinehaltung gentechnikfreie Futtermittel gewährleisten zu können?
  • gentechnikfreie Futtermittel derzeit nur in der Geflügelhaltung vorgeschrieben sind?
  • in der Kontrolle von Fertigprodukten nicht nur bei Fleisch, sondern auch bei Eiern die Herkunft eine große Rolle spielt?