Erstellt am 24. Juni 2011, 09:22

EU-Wertpapieraufsicht streitet mit Ratingagenturen. Die neue EU-Wertpapieraufsicht ESMA legt sich mit den großen US-geprägten Ratingagenturen an. "Wir sollten nicht blindlings das regulatorische System von Drittländern übernehmen", sagte ESMA-Chef Steven Maijoor der "Financial Times Deutschland".

Die neue EU-Wertpapieraufsicht ESMA legt sich mit den großen US-geprägten Ratingagenturen an. "Wir sollten nicht blindlings das regulatorische System von Drittländern übernehmen", sagte ESMA-Chef Steven Maijoor der "Financial Times Deutschland".

Er drohte den drei großen Ratingagenturen mit Sitz in den USA - Standard & Poor's, Moody's und Fitch - der Zeitung zufolge mit der Versagung der Zulassung, wenn sie sich nicht an die Regeln in Europa hielten. Damit unterstrich Maijoor den Anspruch der Europäer, mit ihren Regulierungsregeln in Abgrenzung zu den USA eigene Standards für die Risikobewertung zu setzen. Ab 7. Juli wird die ESMA alleiniger Aufseher über die Ratingagenturen in Europa. Auch Agenturen aus Drittstaaten wie den USA müssen von ihr dann lizenziert werden. Das ist die Voraussetzung dafür, dass ihre Ratings in Europa genutzt werden, hieß es in der Zeitung.

Die Ratingagenturen sind mit der großen Finanzkrise selbst massiv ins Visier der Kritiker geraten. Ihnen wurden Fehlbewertungen vorgeworfen und damit eine Mitschuld an der Krise. Als Bewerter des Risikos nicht nur von Unternehmen, sondern auch Staaten und ihren Kreditpapieren stehen sie zudem aktuell in Verbindung mit der Schuldenkrise in Teilen des Euro-Raumes wieder im Fokus. Die Bonitätseinschätzung der großen Ratingagenturen für Problemländer wie Griechenland stellt einen entscheidenden Faktor für die Marktakzeptanz oder -ablehnung von Rettungsplänen und -anstrengungen dar.