Erstellt am 31. Juli 2012, 10:31

Euribor-Zinsskandal weitet sich aus. Der Skandal um die Manipulation international bedeutender Zinssätze zieht weitere Kreise.

Die Staatsanwaltschaft der süditalienischen Stadt Trani, die eine Untersuchung wegen möglicher Libor- und Euribor-Manipulationen in die Wege geleitet hat, hat am Dienstag den Mailänder Sitz der britischen Bank Barclays durchsuchen lassen. Dabei wurden Dokumente konfisziert, berichteten italienische Medien. Die Untersuchung wurde aufgrund von Anzeigen italienischer Konsumentenschutzverbände in die Wege geleitet. Wegen Marktmanipulationen drohen in Italien zwölf Jahre Haft. Die Konsumentenschutzverbände schätzen, dass 2,5 Millionen italienische Familien wegen der illegalen Euribor-Manipulation einen Schaden erlitten haben. Dieser würde 1.200 Euro pro Kopf betragen, insgesamt drei Milliarden Euro. Viele Familien müssten wegen der illegalen Zinsmanipulation einen wesentlich höheren Wohnungskredit zahlen, kritisierten die Konsumentenschutzverbände.

Die Staatsanwälte von Trani führen bereits Ermittlungen gegen die US-Ratingagenturen Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch. Fünf Managern von S&P droht in Italien ein Prozess. Der bis August 2011 amtierenden S&P-Chef Deven Sharma, sowie vier Analysten der Ratingagentur in den Londoner und Frankfurter Filialen droht ein Gerichtsverfahren, weil sie mit ihren Berichten über die Lage im Land versucht haben sollen, "Italiens Ansehen, Prestige und Kreditwürdigkeit auf den Finanzmärkten zu destabilisieren", lauteten die Vorwürfe der Staatsanwälte von Trani, welche die Untersuchung abgeschlossen haben. Die Ermittler vermuten, dass dahinter ein Plan steckte, um Italiens Politik und Wirtschaft zu beeinflussen.