Erstellt am 24. Januar 2013, 13:54

Euro-Wirtschaft driftet immer stärker auseinander. Dank anziehender Konjunktur in Deutschland könnte die Eurozone im ersten Halbjahr die Rezession verlassen. Sorgen bereitet jedoch Frankreichs Wirtschaft, die den Anschluss zu verlieren droht, wie Konjunktur-Daten vom Donnerstag belegen.

Die Talfahrt in der Eurozone schwächte sich im Jänner ab. "Der Tiefpunkt der Rezession dürfte damit endgültig überwunden sein", teilte das Markit-Institut zur Umfrage unter 5.000 Industriefirmen und Dienstleistern mit. Wermutstropfen sei die wachsende Kluft in der Währungsunion - vor allem zwischen den beiden größten Volkswirtschaften. "Während Deutschland eine kräftige Wachstumsbelebung vermeldet, geht es mit der französischen Wirtschaft so stark bergab wie seit Anfang 2009 nicht mehr", sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson.

Die deutschen Firmen starteten überraschend kraftvoll ins neue Jahr und schütteln damit zunehmend Rezessionsängste ab. Die Geschäfte der gesamten Privatwirtschaft liefen im Januar so gut wie seit einem Jahr nicht mehr. Der Markit-Einkaufsmanagerindex stieg um 3,3 auf 53,6 Zähler. Damit liegt das Barometer wieder deutlich über der 50-Punkte-Marke, ab der es Wachstum signalisiert.

Ganz anders ist die Lage in Frankreich: Die Wirtschaft von Deutschlands wichtigstem Handelspartner befindet sich im Sinkflug. Das Markit-Barometer für die Privatwirtschaft sackte im Januar mit 42,7 Punkten auf den tiefsten Stand seit März 2009 und entfernt sich immer weiter von der Wachstumsschwelle. "Die Stimmung in französischen Unternehmen ist damit in einem desolaten Zustand", betonten die Postbank-Volkswirte.

Die Tendenz in der Eurozone ist gegenläufig. Die Commerzbank setzt darauf, dass die Wirtschaft in den 17 Ländern ab Frühjahr insgesamt wieder wächst. "Das Ende der Rezession naht", sagte Commerzbanker Christoph Weil und hält eine weitere Zinssenkung der Europäischen Zentralbank für "immer unwahrscheinlicher".