Erstellt am 27. April 2012, 12:17

Ex-BAWAG-Aufsichtsrat Weninger belastet Elsner. Am dritten Tag des zweiten BAWAG-Prozesses wurde zunächst der frühere BAWAG-Aufsichtsratspräsident Günter Weninger befragt. Der pensionierte Gewerkschaftsfunktionär beteuerte, er sei vom damaligen Bank-Chef Helmut Elsner hinters LIcht geführt worden.

Richter Christian Böhm befragte Weninger, warum die BAWAG dem Spekulanten Wolfgang Flöttl im Oktober 2008 noch hunderte Millionen gab, nachdem Flöttl bereits große Verluste von 600 Mio. Dollar eingestanden hatte. Elsner, so rechtfertigte sich Weninger, habe ihm versichert, dass Flöttl den Schaden mit seinem Vermögen ausgleichen werde - aber nur wenn er neues Geld erhalte. Wenn Flöttl sich vom Markt zurückziehen müsse, würden die Verluste bekannt und das würde auch auf die BAWAG zurückfallen, habe Elsner damals argumentiert.

Aus Sorge um Indiskretionen im Aufsichtsrat, die den Plan gefährden könnten, und weil Elsner und der Bank-Anwalt sagten, die Angelegenheit müsse nicht dem gesamten Aufsichtsrat vorgelegt werden, habe er den Aufsichtsrat nicht befasst. Außerdem hätte auch BAWAG-Anwalt Johann Florian Gehmacher davon gesprochen, dass der Aufsichtsrat nicht informiert werden müsse, ergänzte Weninger.

Dass der damalige BAWAG-Generalsekretär Peter Nakowitz schon während der Krisensitzung am 27. Oktober Überweisungen an Flöttl durchführte, habe er nicht gewusst, beteuerte Weninger. Flöttl sei bei der Sitzung dabei gewesen. Vor neuerlichem Geldfluss an Flöttl hätten noch die von diesem angebotenen Sicherheiten geprüft und gesichert werden müssen, so Weninger. Dies sei aber nicht gemacht worden.

Weninger war seit März 1997 BAWAG-Aufsichtsratspräsident. Im ersten BAWAG-Prozess war er in erster Instanz zu zweieinhalb Jahre Haft verurteilt worden, davon sechs Monate unbedingt. Das Urteil wurde vom Obersten Gerichtshof in großen Teilen aufgehoben, lediglich der Schuldspruch für zwei Bilanzdelikte wurde bestätigt. Nun sitzt er wegen des Untreuevorwurfs für 330 Mio. Dollar wieder auf der Anklagebank.